Gas wird teurer Neuer Preisschock

Nach höheren Strompreisen müssen sich auch Gaskunden auf deutliche Aufschläge einstellen. 250 der rund 740 lokalen Versorger erhöhen nach Angaben des Verbraucherportals Verivox die Tarife zum 1. Januar um 5,8 Prozent im Schnitt. Die Experten erwarten wegen der steigenden Ölpreise weitere Verteuerungen.

Düsseldorf - Der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk forderte angesichts der sich abzeichnenden neuen Preiswelle ein entschlossenes Durchgreifen der Wettbewerbsbehörden. "Nachdem langes Reden bei den Unternehmen nichts bewirkt hat, muss nun auf anderen Wegen durchgegriffen werden. Der Verbraucher darf nicht länger benachteiligt werden."

Die Kartellämter der Länder müssten jetzt gemeinsam mit dem Bundeskartellamt die Angemessenheit der Gaspreiserhöhungen und der Tarifgestaltung scharf unter die Lupe nehmen, verlangte Hauk. Die Rekordgewinne einzelner Unternehmen stünden in einem krassen Missverhältnis zu immer neuen Preissteigerungen bei den Verbrauchern.

Verbraucherschützer forderten unterdessen die 17 Millionen Gaskunden auf, selbst aktiv zu werden. "Die Preise werden weiter in die Höhe gehen, da hilft es als Verbraucher nur, endlich aufzuwachen", sagte Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg. Er empfahl den betroffenen Gaskunden in Deutschland, gegen ihre Jahresabrechnung Widerspruch einzulegen oder den lokalen Versorger zu wechseln. Der Verbraucherschützer rechnet mit einer steigenden Protesthaltung vieler Kunden, die zunehmend verärgert seien über Macht und Arroganz der Energiekonzerne.

Rund 74 Euro Mehrkosten für Musterhaushalt

Die jetzt schon absehbaren Preissteigerungen bei rund einem Drittel der Gasversorger bedeuten nach Angaben des Verbraucherportals Verivox für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden einen Aufschlag von etwa 74 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten waren nach Angaben der Heidelberger Experten die Gaspreise noch rückläufig. Sie sanken um 3,4 Prozent. 560 Versorger hätten in den vergangenen zwölf Monaten die Preise gesenkt, 126 Unternehmen hätten sie erhöht und 52 Versorger hätten sie unverändert gelassen.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern

Verivox wies auf große Unterschiede zwischen den einzelnen Versorgern hin. Den aktuell günstigsten Tarif gebe es in Stade mit 1077 Euro pro Jahr; in Weißwasser (Sachsen) dagegen zahle der Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch 60 Prozent mehr, 1734 Euro pro Jahr.

Die Verbraucherschützer raten bei Wechselplänen jedoch auch zur Vorsicht: "Der Wettbewerb ist beim Gas noch nicht so ausgeprägt wie beim Strom, daher sollten die Preise sorgsam verglichen werden", sagte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin.

Bei immerhin 146 lokalen Anbietern berichtet Verivox von einem Einsparpotenzial zwischen 100 und 500 Euro pro Jahr. Zusätzlich oder alternativ zum Versorgerwechsel halten die Verbraucherschützer jedoch noch eine weiteren Tipp bereit: Den Energieverbrauch deutlich senken. Wer die Durchschnittstemperatur in der Wohnung nur um ein Grad senke, könne bereits sechs bis 7 Prozent der Heizenergie sparen.

manager-magazin.de mit Material von ap