Milliardenrisiko Notverkauf der SachsenLB droht zu scheitern

Die Landesbank Baden-Württemberg fordert Kreisen zufolge, dass das Land Sachsen eine Milliardenbürgschaft für die SachsenLB übernimmt. Anderenfalls könnte die geplante Übernahme der angeschlagenen sächsischen Landesbank, die sich am Hypothekenmarkt verzockt hat, platzen.

Stuttgart - Die Stuttgarter befürchteten, dass sich die SachsenLB stärker als bislang bekannt am US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat, und forderten vom Land Sachsen eine mehrere Milliarden Euro schwere Risikobürgschaft, hieß es am Montag in Finanzkreisen.

Die Summe liege in der Größenordnung von vier Milliarden Euro, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Anderen Insidern zufolge wurde über Zahlen zwischen einer und vier Milliarden Euro gesprochen. Einen konkreten Betrag gebe es noch nicht. Eine Bürgschaft in der genannten Spanne dürfte den Freistaat Sachsen überfordern: Der gesamte Landeshaushalt hat einen Umfang von rund 16 Milliarden Euro.

Bürgschaft dürfte Sachsen überfordern

Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte, Bankenvertreter aus Stuttgart hätten am Wochenende bei Übernahmeverhandlungen in Dresden indirekt damit gedroht, den im August eingefädelten Notverkauf der SachsenLB an die LBBW zu stoppen, falls das Land Sachsen nicht zu der Risikoübernahme bereit sei. In Dresdner Regierungskreisen hieß es, am kommenden Wochenende werde es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Einigung kommen.

Ein Sprecher des sächsischen Finanzministerium bestätigte, dass sich die Eigentümer der SachsenLB und eine Expertengruppe der LBBW am vergangenen Wochenende getroffen hatten, um über die Lage der sächsischen Bank zu sprechen. Sie hatte sich mit verbrieften Kreditprodukten über außerbilanzielle Zweckgesellschaften verspekuliert.

"Es gab eine grundsätzliche Annäherung. Wir sind zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen", sagte der Sprecher. In dieser Woche werde es weitere Verhandlungen geben. Auch die Finanzaufsicht BaFin sei mit am Tisch.

Fonds "Sachsen Funding" drohen Notverkäufe

Die LBBW ist nicht bereit, größere Risiken der SachsenLB zu übernehmen. "Wir werden nichts tun, was unsere Bilanz nachhaltig belastet", sagte ein Banksprecher. Die Stuttgarter waren der SachsenLB Ende August mit einer Kapitalspritze von 250 Millionen Euro zur Seite gesprungen und hatten sich mit dem Freistaat auf eine Übernahme zum 31. Dezember geeinigt.

Bis zum 19. Dezember hat die SachsenLB Zeit, eine Lösung für ihren 2,2 Milliarden Dollar schweren Fonds Sachsen Funding I zu finden, dem Notverkäufe drohen. Die SachsenLB hat noch weitere solcher Zweckgesellschaften. Nach dem Willen der LBBW sollen alle Risiken dieser Finanzvehikel in einer neuen Gesellschaft gebündelt werden, deren Risiken das Land übernehmen soll.

Die Opposition im sächsischen Landtag forderte die Regierung auf, Farbe zu bekennen. Die Grünen und die Linksfraktion verlangten, dass Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) noch in dieser Woche eine Regierungserklärung abgibt. Über den Antrag will das Parlament voraussichtlich am Mittwoch auf einer regulären Sitzung abstimmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters