Energiebranche Kundenflucht bei Vattenfall

Der Energiekonzern Vattenfall Europe hat in diesem Jahr in Deutschland rund 250.000 Kunden verloren. Die Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel haben das Image des Energieriesen schwer beschädigt. Das Unternehmen reagiert mit einer veränderten Strategie.

Berlin - "Wir werden auf dem Markt kämpfen", sagte der künftige Vorstandsvorsitzende Tuomo Hatakka am Montag. Er sei überzeugt, dass wieder Kunden angezogen werden könnten und Vertrauen entstehe, sagte er mit Blick auf eine Kündigungswelle nach Kritik an unvollständigen Preisinformationen und Pannen in den schleswig-holsteinischen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel im Sommer. Konkrete Maßnahmen nannte Hatakka vorerst nicht. Bei den Strompreisen seien für Januar keine Erhöhungen geplant.

Der 50-jährige Finne soll zum Jahresanfang 2008 an die Spitze der deutschen Tochter des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall treten. Er folgt dann auf Hans-Jürgen Cramer, der den Chefposten erst im Juli übernommen hatte, nachdem der langjährige Vorstandsvorsitzende Klaus Rauscher zurückgetreten war.

Der Chef des Mutterkonzerns, Lars G. Josefsson, verwies auf die zugleich beschlossene Zusammenführung der Aktivitäten in Deutschland und Polen unter der Leitung Hatakkas. Sie sei "eine offensive Entscheidung", die weiteres Wachstum in der immer enger vernetzten Region ermöglichen solle. Hatakka sagte, mit der neuen gemeinsamen Geschäftseinheit "Mitteleuropa" sollten zum Beispiel in Deutschland vorhandene Kompetenzen in Polen nutzbar gemacht werden.

Zugleich wolle Vattenfall in beiden Ländern "die Nummer eins für die Umwelt" sein. Diesem Ziel diene etwa eine neue Technologie zur Stromgewinnung aus Braunkohle ohne Abgabe von Kohlendioxid (CO2) in die Luft.

Josefsson bekräftigte, dass mit der Zusammenführung des Geschäfts in Polen und Deutschland keine rechtliche Verschmelzung geplant sei. Hatakka sagte, es gebe derzeit zudem keine Pläne, Arbeitsplätze von Deutschland nach Polen zu verlagern.

manager-magazin.de mit Material von dpa