Haushalte Ebbe in den Kassen

Trotz der guten Konjunktur haben die Deutschen heute weniger Geld zur Verfügung als beim Amtsantritt der großen Koalition. Entsprechend schleppend fällt bislang das Weihnachtgeschäft aus.

Berlin - Trotz guter Konjunktur haben die Deutschen heute weniger Geld zur Verfügung als beim Amtsantritt der großen Koalition. Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte habe sich vom dritten Quartal 2005 bis zum dritten Quartal 2007 zwar auf dem Papier um 3,2 Prozent erhöht, aber aufgrund von Preissteigerungen und anderer Faktoren tatsächlich um 0,4 Prozent verringert, erklärte die Bundesregierung dem "Spiegel" zufolge in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion.

Als wesentliche Ursache seien die Mehrwertsteuererhöhung und der sehr langsame Anstieg der Gehälter genannt worden.

Nach einer Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) bremsten die geringe Erhöhung der Bruttolöhne, jüngste Steueranhebungen sowie die hohe Inflationsrate den Aufschwung, berichtete der "Spiegel" am Wochenende.

Zudem legten die Deutschen derzeit weit mehr Geld auf die hohe Kante als in früheren Aufschwungphasen. "Entsprechend wird das Wachstum im kommenden Jahr deutlich geringer ausfallen als bislang prognostiziert", sagt IMK-Chef Gustav Horn. Die Bundesregierung rechnet für 2008 mit einem Wirtschaftswachstum von 2 Prozent.

Das Weihnachtsgeschäft verlief unterdessen auch am zweiten Adventswochenende schleppend. Der Einzelhandel zeigte sich am Sonntag unzufrieden. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zog die Möglichkeit in Betracht, dass sich die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr abschwächen könnte. Die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2008 wird daher möglicherweise nach unten korrigiert.

Einzelhandel hofft weiter

Einzelhandel hofft weiter

Nach dem zweiten Adventswochenende erklärte der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr: "Der Durchbruch im Weihnachtsgeschäft lässt weiter auf sich warten." Zwar seien Innenstädte und Einkaufszentren gut besucht gewesen, doch lägen die Umsätze noch hinter den guten Werten des Vorjahres.

Die Hoffnungen richteten sich nun auf die letzten beiden Adventswochenenden, erklärte Pellengahr. Die Erfahrungen zeigten, dass Geschenke immer später gekauft würden. In den Einkaufskörben gelandet seien in dieser Woche vor allem Schmuck, Unterhaltungselektronik, Flachbildfernseher, Spielwaren sowie Lederwaren und Christbaumschmuck.

Glos sagte der "Bild am Sonntag", die Prognose von 2 Prozent Wachstum für das kommende Jahr werde im Januar vor dem Hintergrund der dann aktuellen Daten überprüft. "Dann sehen wir, ob es Anpassungsbedarf gibt." Er fügte hinzu: "Ich kenne niemanden, der ein Ende des Aufschwungs erwartet. Richtig ist allerdings, dass seine Dynamik unter dem Eindruck einer sich abschwächenden US-Konjunktur, des schwachen Dollars und des hohen Ölpreises nachlassen könnte."

Die Gefahr weiterer Turbulenzen an den Finanzmärkten bestehe nach wie vor. "Wir kennen das wahre Ausmaß der Risiken erst, wenn die Jahresabschlüsse der Banken für 2007 vorliegen. Hier lauern weltweit noch unentdeckte Belastungen."

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap