Briefzusteller Pin will Mindestlohn umgehen

Der private Briefzusteller Pin AG hat laut einem Pressebericht schon Ersatz für die Postboten, die entlassen werden sollen, gefunden: Zeitungsausträger, für die der Mindestlohn nicht gilt, sollen die Briefe für Pin verteilen. Das Unternehmen gehört Zeitungsverlagen.

Hamburg - Der mit hohen Verlusten kämpfende Post-Konkurrent Pin Group will den Mindestlohn für Briefträger nach einem Zeitungsbericht umgehen. Die Pin Group wolle über Kooperationen mit Zeitungsverlagen deren Zusteller für die Verteilung von Briefen einsetzen, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Freitag unter Berufung auf eine Pin-Managerin.

Hintergrund sei, dass der geplante Mindestlohn von 8 bis 9,80 Euro je Stunde nur für Briefzusteller gelten soll. Zeitungsausträger wären damit nicht betroffen und könnten die Pin-Sendungen für deutlich weniger Geld ausliefern. Bei den Partnerfirmen entstünden dann Arbeitsplätze, während die mehrheitlich zum Springer-Verlag gehörende Pin Group nach früheren Angaben "Massenentlassungen" plant und dafür den Mindestlohn verantwortlich macht. Eine Springer-Sprecherin sagte: "Für Axel Springer als Hauptgesellschafter kommt eine Umgehung nicht infrage. Wir halten uns an Recht und Gesetz."

Eine Pin-Sprecherin sagte, sie könne dazu derzeit keine Aussagen machen. "Wir prüfen alle Optionen", sagte sie. "Es gibt dabei noch keine Ergebnisse." Der Postdienstleister mit Sitz in Luxemburg, der in diesem Jahr bei 350 Millionen Euro Umsatz mit einem Verlust von bis zu 55 Millionen Euro rechnet, fährt derzeit einen Sanierungskurs und wird dabei von der Unternehmensberatung Roland Berger unterstützt. "Wir müssen eben ausdünnen", hieß es aus dem Pin-Management.

Verdi sieht Mindestlohn nicht beschädigt

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, kritisierte Pin wegen der Entlassungen. Wenn die Konkurrenz der Post nur existieren könne, indem sie Dumpinglöhne zahle, von denen die Beschäftigten nicht leben könnten, sei dies wirtschaftlich nicht sinnvoll und inhuman, sagte Mönig-Raane am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Der Wettbewerb dürfe nicht zulasten der Beschäftigten gehen.

Das Thema Mindestlohn sei durch die Entlassungen bei Pin aber nicht beschädigt, betonte Mönig-Raane. Verdi diskutiere weiter über diese Regelung für den Einzelhandel. "Wir wollen erst die Tarifrunde beenden und uns dann mit den Arbeitgebern darüber verständigen, welchen Mindestlohn wir in der Branche festlegen wollen." Sie sei überzeugt, dass es zu einer Einigung kommen werde.

Niederlande verschieben Liberalisierung

Die niederländische Regierung hat nach der deutschen Mindestlohn-Entscheidung die Liberalisierung des Briefmarkts aufgeschoben, wie das "Handelsblatt" berichtet. Ursprünglich sollten Wettbewerber der Post dort, wie in Deutschland, zum Jahreswechsel freien Marktzutritt erhalten. Die EU verlangt die Marktöffnung bis 2011. Die niederländische Post TNT ist neben der Pin Group der zweite wichtige Angreifer des Monopols der Deutschen Post . TNT hat die Expansion im deutschen Markt vorerst gestoppt.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dow jones

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.