Korruption Düstere Aussichten

Nach den diversen Skandalen um Schmiergeldzahlungen und Bestechungsfälle befürchten die Deutschen offenbar mehr Korruption im eigenen Land. Laut Transparency International erwarten 69 Prozent eine Zunahme in den kommenden drei Jahren.

Berlin - Arme Familien sind weltweit am häufigsten Opfer von Korruption. Dies geht aus dem Global Corruption Barometer der Organisation Tranparency Internationale (TI) hervor, das am Donnerstag vorgestellt wurde. "Viel zu oft müssen Menschen Teile ihres hart verdienten Geldes für Leistungen aufbringen, die eigentlich umsonst sein sollten", sagte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle. Dazu zähle in vielen Ländern beispielsweise der Zugang zu ärztlichen Leistungen.

In Deutschland gilt demnach die Privatwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders anfällig für Schmiergeldzahlungen. Es folgen die politischen Parteien, Medien, Versorgungsunternehmen sowie das Parlament. "Offensichtlich sind die Menschen durch die Berichterstattung über Skandale wie Siemens  oder VW  aufgewacht und haben gemerkt, dass Korruption auch in Deutschland ein Problem ist", sagte die Vorsitzende von TI-Deutschland, Sylvia Schenk.

69 Prozent der Bevölkerung erwarte mehr Korruption in den kommenden drei Jahren. Nur die Philippiner, Inder, Briten und Niederländer bewerteten die Aussichten noch düsterer. Sie halte die Sorgen der Deutschen aber für übertrieben, sagte Schenk. Zwar kämen mehr Skandale ans Licht, doch zeige dies vor allem, dass die Bekämpfung besser werde. Allerdings halten der Umfrage zufolge drei Viertel der Bundesbürger hielten den Kampf der Regierung gegen Bestechung für unwirksam. Daher seien deutliche Signale der Politik gegen Korruption nötig, erklärte Transparency.

Albanien und Senegal am korruptesten

Als korrupteste Staaten führt Transparency Albanien und Senegal auf. 30 Prozent der dort Befragten hätten von Bestechungsforderungen berichtet. Auch in Kambodscha, Kamerun, Mazedonien, Kosovo, Nigeria, Pakistan, den Philippinen und Rumänien müssen die Menschen häufig mit Zahlungen unter der Hand nachhelfen, wenn sie etwas erreichen wollen.

Mehr als jeder zehnte der gut 63.000 befragten Bürger aus 60 Ländern gab an, dass er im letzten Jahr wenigstens einmal Schmiergeld bezahlen musste. TI zufolge stehen Polizei und Justiz an der Spitze der korrupten Einrichtungen, allerdings gibt es starke regionale Unterschiede. In Europa etwa seien Geldforderungen im Gesundheitswesen verbreitet, in Asien und Nordamerika in der Justiz, in Afrika und Osteuropa in Bildungs- und Gesundheitswesen. Der Umfrage zufolge nimmt Korruption im asiatisch-pazifischen Raum und in Südeuropa zu, in Afrika dagegen leicht ab.

Am besten schneiden in den Augen der Bürger noch Kirchen und Nicht-Regierungsorganisationen ab, allerdings verlieren büßen auch sie Vertrauen ein. Eine Besserung ist nach Einschätzung der meisten Befragten nicht in Sicht. 54 Prozent geht von einer Zunahme der Korruption aus, nur jeder fünfte erwartet einen Rückgang.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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