Adidas Fressen statt gefressen zu werden

Adidas sieht sich nicht als Übernahmekandidat. Die Gerüchte um Avancen der Konkurrenten Nike und Asics bezeichnete Adidas-Chef Herbert Hainer als "blanken Unsinn". Der Sportartikelhersteller selbst schließt Akquisitionen aber nicht aus.

München - Die Übernahmegerüchte hatten den Aktienkurs von Adidas  zuletzt beflügelt. Adidas-Chef Herbert Hainer sagte jedoch am Mittwochabend vor dem Club Wirtschaftspresse in München, dass niemand auf seinen Konzern zugekommen sei.

Nike  dürfe Adidas nicht schlucken, und Branchenfremde könnten durch eine Übernahme kaum Einsparungen erreichen. Eine Verbindung mit der japanischen Asics und dem Branchenprimus Nike aus den USA käme auf einen Marktanteil von bis zu 80 Prozent, in bestimmten Sparten sogar noch mehr. "Das würde nie genehmigt werden", verwies Hainer auf die Kartellbehörden.

Adidas selbst schließt Übernahmen nicht aus: "Es kann immer passieren, dass wir mal kleinere Marken nehmen", sagte der Vorstandschef. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. Vor allem im Outdoorbereich sei Adidas "nicht wirklich gut". In Asien gebe es Möglichkeiten, etwa in China mit seinen noch kleinen Marken. "Da müssen wir schauen, was die in ein paar Jahren machen." Akquisitionen seien hier vorstellbar, zunächst wachse Adidas aber auch aus eigener Kraft mit hohen Raten.

In China, wo 2008 die nächsten Olympischen Sommerspiele stattfinden, gebe es ein enormes Konsumpotenzial. Je offener das Land werde, desto größer werde die Nachfrage nach bekannten Sport- und Freizeitprodukten. "Billigmarken hatten sie ja schon 300 Jahre." Zunächst will Hainer die 3,2 Milliarden Euro teure Übernahme des US-Rivalen Reebok zu einem Erfolg machen.

"Das war bisher schwieriger als gedacht." Adidas lerne aber aus seinen Fehlern nach dem Kauf des Wintersport-Spezialisten Salomon. Damals habe Adidas zu wenig über bestimmte Bereiche des Geschäfts gewusst und dem alten Management in Frankreich zu sehr vertraut. Bei Reebok gehe Adidas anders vor.

Lieferboykott an Foot Locker nicht auf Dauer

Auch wenn der US-Markt schwächelt, bringe die Übernahme bereits Einsparungen für den Gesamtkonzern, etwa im Einkauf. Ab 2009 sollen jährlich 175 Millionen Euro eingespart werden. Als nächsten Schritt will Hainer der verstaubten Marke Reebok neues Leben einhauchen, etwa mit moderneren Produkten. Reebok werde zudem mehr im Sportbereich positioniert, weg vom Lifestyle, so Hainer.

In den USA leiden zahlreiche Sportartikelhersteller unter den Problemen bei Foot Locker. Der Sporthändler will Hunderte Läden schließen, Lagerbestände abbauen und ordert kaum noch neue Ware. Adidas meidet Foot Locker, weil die Amerikaner mit Billigangeboten die Preise kaputt machten. "Der Pulverrauch ist verzogen, wir reden wieder miteinander", sagte Hainer. "Irgendwann werden wir auch wieder liefern, wohl 2009." Im dritten Quartal hatte Adidas in Nordamerika einen Umsatzrückgang von 9 Prozent hinnehmen müssen.

Christian Krämer, reuters

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