Kreditkrise Zehn Millionen Dollar Verdienst pro Tag

Weltweit mussten Banken im Zuge der Finanzmarktturbulenzen schon mehr als 50 Milliarden Dollar abschreiben. Weitere 105 Milliarden stehen bei der Ratingagentur Moody's auf der Watchlist. Doch es gibt auch Gewinner der Krise. manager-magazin.de sagt, welche Hedgefondsmanager in diesem Jahr bislang am meisten verdient haben.

Hamburg - Schon Altmeister André Kostolany wusste: Verlorenes Geld ist nicht weg, es gehört nur jemand anderem. Momentan sind es zum Beispiel einige Hedgefonds, die sich über die Verluste freuen, die andere im Laufe der seit Monaten andauernden Kreditkrise machen.

Die Manager der Fonds sahen die dramatische Entwicklung am amerikanischen Immobilienmarkt voraus und brachten ihre Portfolien frühzeitig in Stellung. Ergebnis: Während Banken weltweit Milliardenbeträge abschreiben müssen, erzielen die Investoren erkleckliche Renditen - und die Lenker der Fonds streichen mitunter ansehnliche Erfolgshonorare ein.

Spitzenverdiener der vergangenen Monate waren laut einer Aufstellung des Nachrichtendienstes Bloomberg mit Daten von Hedge Fund Research der New Yorker Hedgefonds-Manager John Paulson und sein Kompagnon Paolo Pellegrini. Von Januar bis September 2007 kassierten beide gemeinsam Performance-Gebühren in Höhe von insgesamt fast 2,7 Milliarden Dollar. Pro Tag standen also rein rechnerisch etwa zehn Millionen Dollar Verdienst zu Buche.

Paulson und Pellegrino steuern an der Spitze von Paulson & Co. gemeinsam eine Reihe von Hedgefonds, darunter der milliardenschwere Credit Opportunities Fund. Diesen hatte John Paulson vor gut einem Jahr eigens lanciert, um vom seiner Ansicht nach bereits zu jenem Zeitpunkt absehbaren Rückgang im US-Hypothekenmarkt zu profitieren.

Zum Erfolg gelangte Paulson & Co. einem Zeitungsbericht zufolge auf zwei Wegen: Zum einen setzten die Finanzprofis mit Leerverkäufen auf den Abschwung des ABX-Index, der der Wertentwicklung mit Hypotheken besicherter Anleihen folgt. Zum anderen erwarb Paulson Credit Default Swaps (CDS), deren Wert stieg, als die Märkte einbrachen.

Ähnliches gelang anderen Fondsmanagern - auch wenn sie nicht annähernd so viel damit verdienten, wie John Paulson und Paolo Pellegrini. Zum Beispiel Philip Falcone, Steuermann bei Harbinger Capital Partners und die Nummer zwei im Bloomberg-Ranking. Auch er setzte auf den Abschwung am US-Hypothekenmarkt und verdiente damit bis Ende September etwa 1,3 Milliarden Dollar Provisionen.

Zur Übersicht: Die Top 20 Hedgefondsmanager 2007

Manager verweigern Interviews

Manager verweigern Interviews

Oder Jim Simons, Präsident von Renaissance Technologies in East Seatauket, New York. Simons verdiente gut eine Milliarde Dollar, weil sein Medaillon Fund um mehr als 50 Prozent zulegte. Seine Mitarbeiter dürften sich mit dem Fondsmanager gefreut haben, denn der Hedgefonds verwaltet laut Bloomberg vorwiegend das Geld von Simons und seiner Mannschaft.

In der nach wie vor sehr verschwiegenen Hedgefonds-Szene trägt allerdings kein Manager seinen Jahresverdienst so ohne weiteres auf einem Fragebogen ein. Die Bloomberg-Zahlen beruhen daher zum Großteil auf Schätzungen und Annäherungen.

Die Berechnung basiert vor allem auf der Annahme der bei Hedgefonds üblichen Vergütungsregel "2 and 20". Demnach erhält der Fondsmanager jährlich 2 Prozent der Vermögenswerte und weitere 20 Prozent der erwirtschafteten Gewinne.

Fonds, die nicht einmal Auskunft über den Umfang der von ihnen verwalteten Mittel machen, sind daher im Ranking nicht enthalten. Dazu zählen zum Beispiel prominente Gesellschaften wie Citigroup Alternative Investments und DE Shaw & Co.

Wie verschlossen die Branche tatsächlich ist, musste indes nicht nur manager-magazin.de bei der Zusammenstellung der Galerie der Top-Verdiener feststellen. Auch Bloomberg-Reporter Anthony Effinger stieß bei seinen Recherchen zum Ranking immer wieder auf Widerstände.

Weder John Paulson noch Paolo Pellegrini beispielsweise waren zu einem Interview zu den Bloomberg-Zahlen zu bewegen. Die einzige, die sich Effingers Bericht zufolge aus Paulsons Umfeld zu dessen Person zitieren lassen wollte, war Paula Del Nunzio. Viel spannendes hatte die Dame allerdings nicht zu berichten - sie ist die Maklerin, die Paulson sein Haus in der Nähe der Fifth Avenue in Manhattan vermittelt hat.

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