Managergehälter "Die Politik soll sich da raushalten"

Der Ton im Streit um Managervergütungen wird rauer. "Fantasieabfindungen" untergrüben das soziale Gleichgewicht, hatte Kanzlerin Angela Merkel am Vortag kritisiert. Diesen Vorwurf weist DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun zurück: Die Form der Vergütung sei allein Sache der Aufsichtsräte.

Frankfurt am Main - Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, hat den Vorstoß von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen zu hohe Manager-Gehälter in scharfer Form zurückgewiesen. "Die Politik sollte sich da raushalten", sagte Braun der Frankfurter Rundschau (Dienstagausgabe). Eine pauschale Managerschelte sei ebenso verfehlt wie eine generelle Politikerschelte.

Letztlich müssten die Aufsichtsräte entscheiden, welche Gehälter die Unternehmen zahlen wollten, erklärte Braun. Merkel hatte in ihrer Auftaktrede des CDU-Bundesparteitag am Montag hohe Abfindungen für gescheiterte Manager scharf kritisiert. "Wenn das Versagen von Spitzenkräften mit Fantasieabfindungen vergoldet wird, dann untergräbt das das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht unseres Landes", erklärte Merkel. Mit Gesetzen lasse sich dagegen allerdings kaum etwas erreichen, fügte sie hinzu.

In ihrer Grundsatzrede vor den rund 1000 Delegierten sagte die CDU-Vorsitzende, gute Arbeit solle auch gut bezahlt werden. Sie fragte aber: "Warum soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat?"

Es untergrabe das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht des Landes, wenn ein Abschied vergoldet werde. "Liebe Aufsichtsräte, glauben Sie, Ihre Mitarbeiter lesen keine Zeitungen oder beherrschen die Grundrechenarten nicht?", fragte Merkel rhetorisch. Offenbar werde da nach dem Grundsatz verfahren, wenn ein amerikanischer Autoboss das Hundertfache seiner Arbeiter verdiene, müssten auch die deutschen Managergehälter entsprechend angehoben werden.

Bundespräsident Horst Köhler hatte zuletzt mit kritischen Äußerungen eine neue Diskussion über die Bezüge von Managern angestoßen. Das Staatsoberhaupt warb für eine "Kultur der Mäßigung" und appellierte an die Führungskräfte in den Unternehmen,, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen.

54 Millionen Euro Jahressalär für Wiedeking

Provoziert worden war die Debatte auch durch das Bekanntwerden des hohen Verdienstes von Porsche -Chef Wendelin Wiedeking, der in diesem Jahr über 54 Millionen Euro einstreichen wird. Wiedeking selbst hatte erklärt, sein Gehalt werde so hoch ausfallen, dass dies die "Republik nicht verkraften" werde.

Dem hielt Merkel die Einkommen der Manager japanischer Automobilkonzerne, etwa Toyota , entgegen. "Dort verdient der Chef nur ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters", sagte die Kanzlerin. "Das ist in etwa das Doppelte eines deutschen Kanzlers - wenn er nicht gerade in der Schweiz Geschäfte für russisches Gas machen muss", fügte Merkel mit einem Seitenhieb auf den jetzigen Job ihres Vorgängers Gerhard Schröder (SPD) hinzu.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.