Dienstag, 17. September 2019

AWD Maschmeyers Milliardendeal

3. Teil: "Maschmeyer fehlt die Kraft und die Vision"

Fusion als Eingeständnis von Schwäche?

Mögen die Gründe auch unterschiedliche sein, agieren mit Siwss Life und AWD hier also vor allem getriebene Akteure? Beobachter schließen das zumindest für AWD nicht aus. Maschmeyer wollte zuletzt seine ursprüngliche Wachstumsprognose von 10 Prozent im Gesamtjahr in einer Telefonkonferenz nicht bestätigen. Seit Mai ist der Aktienkurs drastisch gefallen. "Insofern kann man den ganzen Deal auch als ein Eingeständnis von Schwäche interpretieren", sagt ein Analyst einer deutschen Großbank im Gespräch mit manager-magazin.de.

Maschmeyer habe gemerkt, dass er in den vergangenen Jahren mehrfach in "Wachstumskrisen" geraten ist. "Und vielleicht schätzt AWD das künftige Umfeld nun doch nicht so rosig ein, wie man es sich zuletzt ausgemalt hat. Da ist ein starker Partner womöglich die bessere Variante, anstatt es weiter allein zu versuchen", sagt der Analyst.

"Maschmeyer fehlt die Kraft und die Vision"

Ein profunder Kenner der Finanzvertriebe in Deutschland, der den AWD-Chef nach eigenen Aussagen auch persönlich gut kennt, erklärt: "Maschmeyer hat es nicht geschafft, das Unternehmen von sich zu befreien. Ihm fehlt die Kraft und die Vision, es alleine weiterzuführen." Die Übernahme durch Siwss Life sei für den Manager jetzt der erste Schritt, sich langsam aus dem Konzern zurückzuziehen und um zugleich für frischen Wind zu sorgen. AWD teile das Problem aller Unternehmen, die sehr stark auf ihren Gründer zugeschnitten sind. "Irgendwann wird das auch zur Last. Und Maschmeyer ist das sicherlich zur Last geworden."

Maschmeyer selbst bestreitet, er habe sich zum Verkauf aus einer Position der Schwäche heraus entschieden. "Es ist eine Partnerschaft der Stärke und hat überhaupt nichts mit Finanzsorgen oder Schwäche zu tun", sagt der AWD-Chef und wiederholt, AWD werde selbstverständlich ein unabhängiger Finanzvertrieb bleiben.

"Swiss holt die Drückerkolonnen unters Dach"

Analysten und andere Beobachter haben da ihre Zweifel. "Swiss holt die Drückerkolonnen unters Dach", heißt es am Montag in einem garstigen Kommentar einer Schweizer Bank. Deutsche Kollegen geben sich da etwas vorsichtiger. Zwar werde Swiss Life AWD in seinen Strukturen zunächst einmal unangetastet lassen. Insofern handelte es sich derzeit noch schlicht um eine Addition zweier Organisationen. Dafür sprächen angesichts der Größe der Transaktion auch die vergleichsweise geringen Synergieeffekte, die die Unternehmen mit rund 50 Millionen Schweizer Franken jährlich bis 2012 beziffern.

Swiss Life zahle aber nicht eine Milliarde Euro dafür, um nur einen unabhängigen Vertriebsarm in Deutschland und Osteuropa zu bekommen. "Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wer so viel Geld ausgibt, verspricht sich davon auch für das eigene Kerngeschäft erhebliche Impulse", sagt ein Analyst im Gespräch mit manager-magazin.de. Der Ruf von AWD als unabhängiger Finanzdienstleister werde darunter leiden.

Ein anderer Experte zeigt sich davon überzeugt, dass die Quote verkaufter Swiss-Life-Produkte durch AWD-Berater künftig stark ansteigen werde. Der Analyst schließt in diesem Zusammenhang nicht aus, dass andere Produktpartner nun womöglich die Zusammenarbeit mit AWD aufkündigen könnten. Sollte es dem Konzern unter dem Dach der Siwss Life nicht gelingen, weiterhin seine "formale Unabhängigkeit" mit einem möglichst breiten Angebot unter Beweis zu stellen, könnte es an der heiß umkämpften Beraterfront für Maschmeyer und Co. eng werden. Dann würden vermutlich noch mehr AWD-Mitarbeiter zur Konkurrenz wechseln.

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