Donnerstag, 19. September 2019

AWD Maschmeyers Milliardendeal

2. Teil: Die großen Herausforderungen der Branche

Neue Gesetze steigern die Kosten der Anbieter

Tatsache ist aber, auch MLP hat zu kämpfen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres gingen die Erträge im Maklergeschäft um 3 Prozent zurück. Die Beraterzahl lässt sich nicht entscheidend steigern. Immer wieder wandern qualifizierte Spitzenkräfte ab und wechseln zur Konkurrenz. Der Aktienkurs hat in diesem Jahr kräftig gelitten.

"Fusion tangiert uns nicht": MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg
Ob nun MLP Börsen-Chart zeigen, AWD Börsen-Chart zeigen, OVB oder DVAG - die Finanzdienstleister in Deutschland stehen vor enormen Veränderungen. Versicherungsvertragsgesetz (VVG), Vermittlerrichtlinie und die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid zwingen die Anbieter zu mehr Transparenz bei Beratung und Produkten. Nicht alle Akteure sind davon gleichermaßen betroffen. Doch im Grundsatz erhöht sich für alle der bürokratische Aufwand, und das kostet selbstverständlich Geld.

Neue Akteure verschärfen den Wettbewerb

Zugleich stockt das Geschäft mit traditionellen Produkten, mit denen die Unternehmen einst groß geworden sind. Neue, zumeist fondsgebundene und in der Regel mit komplizierten Garantien ausgestattete Produkte müssen sich ihren Inlandsmarkt in großem Stil erst noch erschließen. Neue Akteure wie der im Oktober gegründete Finanzvertrieb "Formaxx" betreten zudem die Szene. Im Sommer nächsten Jahres wird Ex-MLP-Chef Bernhard Termühlen als Investor mit "Mayflower Capital" den Wettbewerb verschärfen.

Kampf um die besten Mitarbeiter

Erschwerend tobt hinter den Kulissen schon längst eine Schlacht um die besten Vertriebsmitarbeiter, vor allem MLP und AWD haben in der Vergangenheit immer wieder Leistungsträger ziehen lassen müssen. "In Summe bringt das sehr viel Unsicherheit über die Unternehmen und birgt auch die Gefahr, dass sie ihr Geschäftsmodell komplett ändern müssen", sagt Analyst Konrad Becker von Merck Finck.

Auf der anderen Seite versuchen die Finanzdienstleister in neue Märkte vorzudringen - Osteuropa zum Beispiel, wo noch hohes Wachstum und profitables Geschäft locken. Vor allem AWD und OVB sind in diese Region vorgedrungen und haben sich neue Vertriebskanäle erschlossen. Doch die Expansion kostet Geld. Da sind neue Strukturen aufzubauen, muss kräftig in die Vertriebsausbildung investiert werden. Insofern erscheint es nur konsequent, wenn man sich einen kräftigen Partner sucht, der in Geld nur so schwimmt.

Angeblich treiben Hedgefonds Swiss Life

An Geld fehlt es der Swiss Life nicht. Insider vermuten, dass der Schweizer Konzern die Erlöse von mehreren Milliarden Euro aus dem Verkauf der Gotthardbank und der Geschäfte in den Niederlanden und in Belgien jetzt in aller Eile anlegen müsse. Hedgefonds drängten bereits auf eine Ausschüttung der auf vier bis fünf Milliarden Euro geschätzten Liquidität, heißt es. Gut eine Milliarde Euro will Swiss Life nun in die Übernahme der AWD investieren. Beobachter schließen vor diesem Hintergrund nicht aus, dass Swiss Life in Kürze schon neue Übernahmeversuche starten werde.

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