Samstag, 7. Dezember 2019

PKV-Tarife Privat verunsichert

2008 wird zum Umverteilungsjahr in der privaten Krankenversicherung. Unisex- und Basistarife werfen ihre Schatten voraus. Verunsicherung macht sich breit. Die wenigsten Kunden können mit Gewinn ihren Vertrag kündigen. Dennoch hoffen Finanzvertriebe auf mehr Wechselwillige.

Hamburg - Schwangerschaft als Risiko zu bezeichnen, mag herzlos erscheinen. Für die privaten Krankenversicherungen (PKV) gehört es aber zu einer seriösen Kalkulation. Schließlich werden für Lohnersatz, Untersuchungen und Geburtshilfe Leistungen fällig - Kosten, die nur bei weiblichen Versicherten zu Buche schlagen. Das ist einer der Gründe dafür, warum Frauen deutlich höhere Prämien zahlen müssen als Männer.

DKV-Zentrale in Köln: Mehr als 10 Prozent höhere Prämien für Männer?
Zum Jahreswechsel müssen die Versicherungsmathematiker aber umlernen. Ab dann verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) die bisherige Praxis. Die Kosten für Schwangerschaft und Geburtshilfe sollen sich Frauen und Männer in Zukunft teilen.

Im Durchschnitt werden die Männertarife wegen dieser Änderung nach Angaben des PKV-Verbands um 3 Prozent teurer, während privat versicherte Frauen um denselben Betrag entlastet werden. Allerdings kann die Änderung in einzelnen Versicherungen und Tarifen stark von diesem Durchschnittswert abweichen. Die zur Ergo-Gruppe Börsen-Chart zeigen des Münchener-Rück-Konzerns Börsen-Chart zeigen gehörende DKV beispielsweise mag Prämiensteigerungen um mehr als 10 Prozent in den Männertarifen nicht ausschließen, ähnliche Zahlen werden zum Marktführer Debeka genannt. In Extremfällen, schätzen Aktuare, können die Prämien um bis zu 20 Prozent steigen.

Besonders Beamtentarife betroffen

"Das betrifft vor allem Beamtentarife, weil dort überproportional viele Frauen versichert sind", erklärt Stephan Caspari, Sprecher des Verbands der privaten Krankenversicherung. Je mehr Frauen im geburtsfähigen Alter in einer Versicherung sind, desto höher sind in der Regel die mit Schwangerschaft verbundenen Kosten. Insgesamt sollen diese Leistungen aber nur 2 bis 3 Prozent des PKV-Budgets ausmachen.

"Die einzelne Frau wird im Durchschnitt stärker entlastet als der einzelne Mann belastet", schätzt Caspari. Der insgesamt geringe Frauenanteil in der PKV sorge dafür, dass die Entlastung auf eine vergleichsweise geringe Anzahl von Versicherten verteilt wird. Grund zur Freude haben die privat versicherten Frauen aber nicht.

Echte Unisex-Tarife - auch das wurde in der Diskussion zum AGG erwogen - gibt es noch lange nicht. Vor allem die längere Lebenserwartung, aber auch das häufigere Auftreten bestimmter Krankheiten wie Brustkrebs sorgen dafür, dass die Versicherungsmathematiker das Risiko, eine Frau zu versichern, um ein knappes Drittel höher einschätzen als bei den Männern. Frauen werden also auch nach dem Ausgleich der Schwangerschaftskosten noch einen deutlichen Aufpreis zahlen müssen.

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