Mittwoch, 11. Dezember 2019

Manager-Gehälter Köhler fordert Kultur der Mäßigung

Deutschlands Staatsoberhaupt Horst Köhler hat die Wirtschaftslenker im Lande aufgefordert, bei ihren eigenen Gehältern Augenmaß zu zeigen. Die verteidigen ihre Millionen-Saläre prompt.

Hamburg - Bundespräsident Horst Köhler hat sich besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende "Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft" geäußert. Die Manager dürften "in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren", sagte Köhler.

Traumgehälter in Vorstandsetagen: Bundespräsident Horst Köhler fordert Kultur der Mäßigung
Es gebe in der Bevölkerung das "nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wenn die Einkommen der einen stark steigen, die der anderen dagegen eher stagnieren." Das Staatsoberhaupt warb für eine "Kultur der Mäßigung" und appellierte an die Führungskräfte in den Unternehmen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen.

"Manche Beträge, von denen ich lese, verstehe auch ich nicht mehr", sagte Continental-Chef Manfred Wennemer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig", sagte Wennemer Sein eigenes Gehalt von laut Bericht zuletzt vier Millionen Euro hält der Conti-Chef "angesichts der guten Position" des Autozulieferers und Reifenherstellers für angemessen: "Ich fühle mich wohl mit dem, was ich bekomme", sagte er.

Wennemer plädierte zugleich gegen die Einführung gesetzlicher Obergrenzen für Gehälter. "Der Markt muss sich da selbst regulieren", argumentierte er. Diese Position vertritt auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Unternehmer müssten sich allerdings "im klaren sein, dass sie Fehler machen, wenn es riesige Steigerungen bei den Vorstandsgehältern gibt, weil Arbeitsplätze abgebaut werden und sich Jahre lang bei den Löhnen der Arbeitnehmer nichts tut", sagte Rüttgers dem "Focus".

Sein Amts- und Parteikollege Christian Wulff hingegen warnte vor einer Neiddebatte: "Wir dürfen unsere Besten nicht vertreiben", sagte Niedersachsens Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". Im selben Blatt verteidigten mehrere deutsche Spitzenmanager ihre Bezüge.

Telekom-Chef René Obermann, laut "Bild am Sonntag" mit 2,6 Millionen Euro pro Jahr bezahlt, sagte beispielsweise, seine Bezüge bewegten sich im Rahmen, bedenke man seine Verantwortung und seine 90-Stunde-Woche. Auch Siemens-Chef Peter Löscher nannte sein Gehalt angemessen. Es liege mit 4,4 Millionen Euro im nationalen und internationalen Vergleich "nicht in der Spitzengruppe". Man habe "Augenmaß bewiesen.

Die Chefs der 30 deutschen Dax-Konzerne kamen 2006 nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz im Durchschnitt auf Jahresgehälter von 3,417 Millionen Euro, nach 3,185 Millionen Euro im Vorjahr. Spitzenreiter war demnach Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Gesamtbezügen von 13,2 Millionen Euro. Ackermann spendet regelmäßig einen Teil seiner Bezüge.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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