Einzelhandel Schwacher Herbstauftakt

Die Einzelhändler verschieben ihre Hoffnung auf das kommende Jahr. Trotz des Wirtschaftsaufschwungs schrumpfen Kaufkraft und Konsumlust. Steigende Energiepreise machen den Verbrauchern zu schaffen. Im Oktober kam erneut weniger Geld in die Kassen als vor einem Jahr.

Berlin - Nach einem schwachen Oktober hat der Einzelhandel die letzte Hoffnung auf ein Umsatzplus in diesem Jahr begraben. "Auch mit einem guten Weihnachtsgeschäft wird es schwer, wenigstens das Ergebnis des Vorjahres zu halten", sagte Stefan Genth vom Branchenverband HDE.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Freitag verkauften die Einzelhändler 2,9 und preisbereinigt (real) 3,3 Prozent weniger als im September. Experten machten Preissprünge bei Energie und Lebensmitteln für die geringe Kauflaune verantwortlich. Sie erwarten nun einen schrumpfenden privaten Konsum im vierten Quartal, der das Wachstum bremsen dürfte.

Im Vergleich zum Oktober 2006 stieg der Umsatz dank eines zusätzlichen Verkaufstages um 1 Prozent, real ist das ein Minus von 0,6 Prozent. Von Januar bis Oktober kamen 0,8 und real 1,6 Prozent weniger in die Kassen. Im Gesamtjahr soll wenigstens noch das Niveau des Vorjahres erreicht werden, sagte Genth. Preisbereinigt bleibe aber ein Minus von bis zu 2 Prozent.

Die Händler hoffen nun auf einen versöhnlichen Jahresabschluss. 75 Milliarden Euro soll das Weihnachtsgeschäft nach Prognose des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) im November und Dezember in die Kassen spülen. Das wäre so viel wie 2006, als vorgezogene Käufe vor der Mehrwertsteuererhöhung der Branche einen starken Schlussspurt bescherten. "Wir werden ein Weihnachtsgeschäft bekommen, das diesen Namen auch verdient", sagte Genth.

Optimismus für 2008

Im Oktober mussten Waren- und Kaufhäuser die größten Einbußen verkraften: Sie kassierten 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf wurden zwei Prozent weniger erlöst. Der Lebensmittelhandel schaffte hingegen ein Plus von 3,7 Prozent. "Hier macht sich der zusätzliche Verkaufstag bemerkbar, denn Lebensmittel werden jeden Tag benötigt", sagte Genth. Mit Kosmetik und medizinischen Produkten wurden 3,6 Prozent mehr umgesetzt, mit Textilien, Schuhen und Lederwaren 1,9 Prozent.

Bankenexperten begründeten den schwachen Herbststart mit der schwindenden Kaufkraft: Zuletzt stiegen die Lebenshaltungskosten mit 3 Prozent so stark wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. "Die starken Preissteigerung bei Energie und Lebensmitteln haben erste Wirkungen gezeigt: Die Kaufzurückhaltung ist zurückgekehrt", sagte Alexander Koch von Unicredit. Dadurch werde der private Konsum im Schlussquartal die Konjunktur anders als noch im Frühjahr und Sommer wohl nicht mehr anschieben. Für 2008 sind die Experten optimistischer. Auch der HDE erwartet dann ein Umsatzplus von 2 Prozent auf 400 Milliarden Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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