Kreditkrise Steinbrück greift Bankchefs an

Deutliche Worte von Peer Steinbrück. Im Zusammenhang mit den Kapitalmarkt-Turbulenzen zweifelt der Finanzminister an der Expertise vieler Bankmanager und wirft ihnen Hochnäsigkeit vor. Die Inflation sowie der starke Euro dagegen sorgen bei Steinbrück für deutlich weniger Erregung.

Berlin - "Es gibt Bankenvorstände, die der Komplexität dessen, was sie tun, nicht gewachsen sind", sagte der Minister der "Financial Times Deutschland" (FTD) vom Freitag. Konkret griff er die Manager der Mittelstandsbank IKB und der SachsenLB an, deren Institute in Verbindung mit zweitklassigen US-Hypotheken in massive Probleme geraten waren.

Ihnen fehlte dem Minister zufolge die ausreichende Expertise für derartige Geschäfte. Steinbrück hält die mangelnde Kompetenz mancher Bankmanager für eine maßgebliche Ursache der Krisen bei etlichen Kreditinstituten: "Es ist bemerkenswert, wie viel Zeit einige Bankmanagements brauchen, um die Risiken richtig zu bewerten." Zudem warf er führenden Bankenvertretern Arroganz vor. "Die Hochnäsigkeit der Manager, die wir mitunter gesehen haben - nach dem Motto: Wir sind cleverer als die anderen - endete in einem Desaster."

Im Falle der Mittelstandsbank IKB, für die am Vortag von der Branche das zweite Hilfepaket innerhalb weniger Monate geschnürt werden musste, hält der Minister auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen für angebracht. Aus seiner Sicht jedenfalls gebe es "gute Gründe" für ein derartiges Vorgehen.

Ermittlungen im Falle IKB?

Nach zähen Verhandlungen hatten sich am Donnerstag die Staatsbank KfW - Hauptaktionärin der IKB -, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Institute auf ein neues Rettungspaket für die Mittelstandsbank geeinigt. Demnach soll die IKB eine zweite Kapitalzusage von 350 Millionen Euro erhalten.

Im Sommer hatte der Bankenpool bereits ein erstes Stützungspaket im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vereinbart. Gegen weitere Zusagen hatte sich das Kreditgewerbe lange gewehrt. Finanzaufsicht, KfW und Bundesregierung drangen aber auf eine erneute Beteiligung der Institute. Mit der Stützung wollen die Banken verhindern, dass eine Pleite die Rückzahlung von Krediten an die IKB in Gefahr bringt.

Steinbrück muss sich am Freitag erneut mit der Krise um die IKB beschäftigen. Er führt den Verwaltungsrat von deren Großaktionärin KfW, der zu einer Sondersitzung in Berlin zusammentritt.

"Europäer bevorzugen starken Euro"

Die jüngste Finanzkrise betrachtet Steinbrück als Beleg dafür, dass an den Märkten eine größere Transparenz "notwendig und richtig" ist. Zu einer solchen Transparenz zähle für ihn, dass der Bankkunde im Sinne des Verbraucherschutzes erst einmal gefragt werden müsse, bevor seine Kredite an andere Gläubiger weitergegeben würden.

Auf nationaler Ebene solle die Zusammenarbeit der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) in der Bankenaufsicht verbessert werden. An entsprechenden Regeln werde derzeit gearbeitet. "Aber das kommt nicht mehr vor Weihnachten", dämpfte Steinbrück Erwartungen auf schnelle Lösungen.

Gleichzeitig wandte sich Steinbrück gegen seiner Meinung nach überzogene Inflationsängste. Zwar bestimme momentan die Inflationsrate von drei Prozent für den November die Diskussion, im nächsten Jahr erwarteten die Experten aber wieder einen Wert von unter zwei Prozent, sagte Steinbrück. Die deutsche Wirtschaft werde auch durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten "nicht in einen Strudel gerissen".

Auch vom Höhenflug des Euro zeigte ich der Bundesfinanzminister nicht beunruhigt. "Wir Europäer bevorzugen eher eine starken als einen schwachen Euro", sagte der SPD-Politiker der "FTD". Der Bremseffekt des hohen Euro sei begrenzt, denn dadurch werde das Rohöl billiger.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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