Volkswagen Startschuss in Russland

Die Konkurrenz ist schon da – jetzt will auch Volkswagen vom boomenden russischen Automarkt profitieren. Heute eröffnen die Wolfsburger ihr erstes Werk in der Nähe von Moskau.

Kaluga - Mit der Eröffnung seines ersten Werks in Russland hat Europas größter Autobauer Volkswageneine Grundlage für einen Geschäftsschub in Osteuropa geschaffen. "Mit der lokalen Fertigung von Fahrzeugen der Marken Volkswagen  und Skoda in der aufstrebenden Stadt Kaluga haben wir nun die Chance, zunehmend vom rasanten Wachstum des russischen Automobilmarktes zu profitieren", sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Mittwoch bei der Werkseröffnung.

Russland ist neben Brasilien, China und Indien eines vor vier Ländern weltweit, in denen die Pkw-Nachfrage besonders kräftig zulegt. Dagegen stagniert der Absatz in Westeuropa. Binnen zehn Jahren dürfte Russland Deutschland nach Expertenschätzungen als größten Pkw-Markt in Europa ablösen.

Den Grundstein für die mehr als 500 Millionen Euro teuere Fabrik hatte VW vor einem Jahr gelegt. In dem Werk rund 170 Kilometer südwestlich von Moskau sollen zunächst das Mittelklassemodell Passat der Wolfsburger Kernmarke VW sowie das Schwestermodell der tschechischen Marke Skoda montiert werden.

Anfang 2008 soll der kleinere Fabia von Skoda hinzukommen. Der kompakte Geländewagen VW-Tiguan soll folgen, wenn die Produktion ab 2009 hochgefahren wird. Dann soll auch das Nachfolgemodell des Kleinwagens Polo in einer abgespeckten Version dort vom Band laufen. Parallel dazu wird das Händlernetz ausgebaut.

Auf dem 400 Hektar großen Werksgelände in Kaluga sollen zudem Zulieferer angesiedelt werden. Derzeit laufen dafür die Ausschreibungen. Allerdings ist noch nicht klar, ob sich ausreichend Lieferanten finden lassen, die den Qualitätsanforderungen von Volkswagen genügen.

Bei anhaltendem hohem Wachstum kann die Kapazität der VW-Fabrik bei Bedarf von 150.000 Einheiten in den nächsten Jahren auf das Doppelte aufgestockt werden. Platz dafür ist vorhanden, Volkswagen verfügt in Kaluga über insgesamt 800 Hektar.

Mit der Produktion in Russland schafft der Konzern auch die Bedingungen dafür, Fahrzeuge zu niedrigen Zöllen etwa aus Deutschland zu importieren. Ziel ist, den Absatz bis 2010 auf 300.000 Autos von erwarteten rund 78.000 im laufenden Jahr zu steigern. Den Marktanteil will Volkswagen mit Hilfe der neuen Modelle bis dahin auf 10 von derzeit 3,2 Prozent ausbauen.

Die Werkseröffnung erfolgt zu einem Zeitpunkt, da andere große Autobauer in Russland bereits längst Fuß gefasst haben. General Motors , Ford  und Toyota  produzieren in Kaliningrad und St. Petersburg. Eine weitere wichtige Automobilbauregion ist Togliatti im Süden Russlands, wo der staatlich kontrollierte AvtoVaz-Konzern (Lada) sitzt.

Jan Christoph Schwartz, reuters