Piëch-Vorwürfe "Lebensnah" oder "verleumdend"?

Volkswagen hat die Aussagen der Braunschweiger Staatsanwälte zurückgewiesen, Konzernpatriarch Ferdinand Piëch könne in seiner Zeit als Vorstandschef von der VW-Affäre gewusst haben. Mehr noch: Das Unternehmen prüft eine Anzeige wegen Verleumdung.

Braunschweig - Das Unternehmen Volkswagen hat am Montag im Prozess um die VW-Affäre in Braunschweig aufgetauchte Vorwürfe gegen das damalige Topmanagement zurückgewiesen. Die Behauptung, dass bei Volkswagen zwischen 1997 und 2002 eine Untersuchung der Kostenstelle 1860 vom damaligen VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz stattgefunden habe und dadurch "Kenntnis über die Veruntreuungen der Herren Volkert und Gebauer bestand", sei falsch, sagte ein Unternehmenssprecher.

Richtig sei vielmehr, dass es keine solche Überprüfung gegeben habe, weil dafür keine Anhaltspunkte bestanden hätten. Der Konzern und sein damaliger Vorstandsvorsitzender Ferdinand Piëch "hatten insofern keinerlei Kenntnis von den Veruntreuungen". Volkswagen prüfe zurzeit wegen der im Zusammenhang mit dem Verfahren aufgestellten Behauptungen, Strafanzeige wegen Verleumdung zu stellen, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft hatte am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen den früheren VW-Betriebsrat Klaus Volkert und den ehemaligen VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer beantragt, weitere Zeugen zu hören. Hintergrund waren den Angaben zufolge Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, dass der damalige Finanzvorstand Bruno Adelt den damaligen Vorstandsvorsitzenden Piëch auf jenes Konto angesprochen habe, auf das Gebauer seine Abrechnungen vorgenommen hat. Daraufhin sei eine Überprüfung in Auftrag gegeben worden. Nach Ansicht von Tacke ist es "lebensnah", dass sich Piëch über das Ergebnis der Prüfung informiert hat.

Hintergrund sind Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, dass der damalige Finanzvorstand Bruno Adelt den damaligen Vorstandsvorsitzenden Piëch auf jenes Konto angesprochen habe, auf das Gebauer zwischen 1997 und 2002 seine Abrechnungen vorgenommen hat. Daraufhin sei der jetzige Audi-Chef Rupert Stadler mit der Überprüfung beauftragt worden. Diese habe Stadler gemeinsam mit Finanzmanager Rutbert Reisch vorgenommen. Stadler war in den fraglichen Jahren unter anderem Leiter des Generalsekretariats beim VW-Vorstandschef.

Piëch ist "kein Beschuldigter" in dem Verfahren

Bisher sei Piëch aber kein Beschuldigter in dem Verfahren, sagte Tacke. Zunächst sollen die Zeugen gehört werden. Er schloss nicht aus, dass danach ein Ermittlungsverfahren gegen Piëch in Betracht kommen könnte. Piëch hatte bisher stets abgestritten, von Unregelmäßigkeiten gewusst zu haben.

Das Verfahren wird am Mittwoch mit der Anhörung von Zeugen fortgesetzt. Das Gericht hatte zuvor entschieden, dass im Laufe des weiteren Verfahrens die drei von der Staatsanwaltschaft beantragten Zeugen, geladen werden.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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