Löhne 2008 Österreich hängt Deutschland ab

Beschäftigte in Deutschland müssen sich für 2008 auf vergleichsweise geringe Lohnzuwächse einstellen - im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik weit hinten. Freuen können sich Beschäftigte in Österreich, während Russen und Iren eine deftige Gehaltserhöhung nicht viel nützt.

Hamburg - Die Vergütungsbudgets von Unternehmen in Deutschland werden im Jahr 2008 um durchschnittlich 3,5 Prozent angehoben, was einer Steigerung um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit zählt Deutschland zu den Schlusslichtern im internationalen Vergleich, kann sich aber immerhin vor Frankreich und der Schweiz behaupten. Zu diesem Ergebnis kommt der jährliche "Compensation Planning Report" der Unternehmensberatung Towers Perrin: Für die Studie haben die Vergütungsspezialisten mehr als 2000 große und mittelständische Unternehmen aus 38 Ländern befragt.

In Westeuropa können Griechenland (5,4 Prozent) und Irland (4,7 Prozent) die in absoluten Zahlen höchsten Zuwächse verbuchen. Für Beschäftigte in der Boomregion Irland, dessen Hauptstadt Dublin mittlerweile zu den teuersten Metropolen in Europa zählt, bleibt nach Abzug der Inflation jedoch nur noch ein realer Zuwachs von 0,8 Prozent.

Auch die zum Teil stattlichen Vergütungserhöhungen in Osteuropa werden dort zum großen Teil von der Inflation aufgefressen. In Russland bleiben von einer um durchschnittlich 11 Prozent höheren Vergütung nach Inflation 3,4 Prozent übrig, in Polen (5 Prozent) und Tschechien (5,3 Prozent) bleiben den Beschäftigten jeweils rund 2 Prozent realer Lohnzuwachs.

Die vergleichsweise niedrige Inflation in Deutschland (der IWF schätzt sie auf 1,6 Prozent) hilft dem Standort Deutschland dabei, ein wenig Boden gutzumachen. Mit einer geschätzten realen Vergütungserhöhung von 1,9 Prozent nach Inflation liegt Deutschland laut der Towers-Perrin-Studie im westeuropäischen Vergleich aber immer noch in der unteren Hälfte. Für Beschäftigte im Nachbarland Österreich, in Griechenland sowie in Großbritannien gibt es real mehr, während die Schweiz (real 1,8 Prozent), Frankreich (1,6 Prozent) und Irland (0,8 Prozent) hinter Deutschland zurückbleiben.

"Die jüngsten Daten belegen, dass das Tempo des Wirtschaftswachstums in der Region anhält, aber etwas an Dynamik verlieren wird", sagt Martin Hofferberth, Manager und Vergütungsexperte bei Towers Perrin. Dieser Trend zeige sich vor allem in Osteuropa, wo die Gehaltszuwächse auch nach Abzug der Inflationswerte recht hoch ausfielen.

Zudem streben die Unternehmen eine noch stärkere Leistungs- und Erfolgsorientierung bei der Vergütung an. "Knapp drei von vier Unternehmen in Deutschland planen, die zusätzlichen Vergütungsmittel für 2008 zum überwiegenden Teil für die Entlohnung von Leistungsträgern zu verwenden", so Hofferberth. Noch stärker würden Unternehmen in der Schweiz, Österreich und Spanien auf leistungsorientierte Vergütung setzen.

Mercer sieht nur 1,1 Prozent Zuwachs in Deutschland

Laut einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Mercer werden die Lohnsteigerungen in Deutschland sogar noch geringer ausfallen als von Towers Perrin prognostiziert. Für Deutschland sagt Mercer lediglich einen nominalen Gehaltszuwachs von 2,7 Prozent voraus, was bei einer Inflationsrate von 1,6 Prozent zu einer realen Steigerung von nur noch 1,1 Prozent führt.

Spitzenreiter weltweit beim Gehaltszuwachs dürfte laut Mercer Indien sein. Beschäftigte in Indien könnten mit knapp 10 Prozent realem Lohnzuwachs nach Abzug der örtlichen Inflation rechnen.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.