Deutsche Bahn Mehdorn bietet "eigenständigen Tarifvertrag"

Die Deutsche Bahn bietet der Lokführergewerkschaft GDL einen "eigenständigen Tarifvertrag", der sich aber "konflikt- und widerspruchsfrei" ins gesamte Tarifgefüge des Konzerns einfügen müsse. Die Tarifeinheit dürfe aber nicht gefährdet werden.

Berlin - Das bestätigte Hartmut Mehdorn am Montag in Berlin. "Sie können ihren eigenständigen Tarifvertrag haben, allerdings alles unter der Überschrift, dass die Tarifeinheit nicht zur Disposition steht", erklärte der Bahn-Chef.

Ein "gemeinsames Ganzes" müsse bestehen bleiben. Das neue Angebot, über das die GDL am Montag entscheiden will, enthalte zudem mindestens 8 Prozent mehr Geld, bei Mehrarbeit bis zu 13 Prozent.

Die Einkommenserhöhung für alle Lokführer um 8 Prozent umfasst die bereits mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA ausgehandelte Entgelterhöhung von 4,5 Prozent, eine Steigerung um einen weiteren Prozentpunkt durch Verbesserungen der Entgeltstruktur sowie um 2,5 Prozentpunkte durch neue Arbeitszeit- und Zulagenregelungen.

Eine Erhöhung um weitere 5 Prozentpunkte könne mit zwei freiwilligen Überstunden pro Woche erreicht werden, heißt es in dem Angebot. Laut Suckale würde sich dieses Angebot in das Tarifwerk "widerspruchs- und konfliktfrei" einfügen. Suckale sagte, die "eigenständig verhandelten Positionen des eigenständigen Tarifvertrags" seien auch "spezifisch kündbar". Damit sei die Bahn einen "großen Schritt auf die GDL zugegangen".

Laut Mehdorn kommen durch die Verbesserungen und den noch mit allen drei Gewerkschaften auszuhandelnden Vertrag über die Entgeltstruktur mehr als 100 Millionen Euro jährliche Mehrkosten auf die Bahn zu. Bereits der im Juli mit Transnet und GDBA ausgehandelte Gehaltstarifvertrag schlägt laut Mehdorn mit 250 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Die GDL wollte am Montagnachmittag (16.00 Uhr) bekannt geben, ob sie auf Grundlage des neuen Angebots in Tarifverhandlungen eintritt. Lehnt die Gewerkschaft ab, droht ein unbefristeter Streik.

Transnet will nicht nachverhandeln

Transnet will nicht nachverhandeln

Die Bahngewerkschaft Transnet hat unterdessen verkündet, bei einem besseren Tarifabschluss der GDL keinen Gebrauch von der Nachverhandlungsklausel machen zu wollen. Dies sei das Ergebnis der Verhandlungsabläufe über das bessere Entgeltsystem, bei denen sich ein Ende abzeichne, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen am Montag im Deutschlandfunk. "Wir haben eine Reihe von Tarifbestimmungen, die wir jederzeit kündigen können und mit denen wir jederzeit aus der Friedenspflicht herauskommen können", sagte Hansen.

Transnet und GDBA hatten Mitte Juli für 134.000 Bahnbeschäftigte eine Erhöhung von 4,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 600 Euro vereinbart. Bestandteil dieses Tarifwerks ist eine Revisionsklausel, die die Gewerkschaften anwenden können, sollte das Unternehmen einen höher dotierten Tarifvertrag mit der GDL abschließen.

Transnet strebt noch in dieser Woche einen Durchbruch bei den Verhandlungen über ein neues Entgeltsystem an. "Wir haben uns vorgenommen, den ganzen Rest der Woche in Marathonverhandlungen möglichst zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Hansen. Gleichzeitig kritisierte er, dass sich die Lokführergewerkschaft GDL nicht an den Gesprächen über eine grundsätzliche Verbesserung der Bezahlungssysteme beteiligt. "Wir hätten gemeinsam schon lange ein Ergebnis erzielen können", sagte Hansen. Er empfahl der GDL eine Verhandlungskooperation.

Angesichts einer möglichen weiteren Aufspaltung der Bahngewerkschaften sprach sich Hansen für neue Strukturen aus. Bevor es zu lauter spezialisierten und konkurrierenden Mini-Organisationen komme, müsse man die eigenen Strukturen überdenken. "Eine koordinierte Föderation mit spezialisierten Unterorganisationen ist allemal besser als Hunderte von einzelnen Gewerkschaften in einem Wirtschaftssystem, das eigentlich auf Miteinander angewiesen ist", sagte der Transnet-Chef.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dow jones

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.