Bahn-Angebot 13 statt 31 Prozent

Die Bahn bietet der Gewerkschaft der Lokführer zur Lösung des Tarifkonflikts nun bis zu 13 Prozent mehr Geld und einen eigenständigen Tarifvertrag mit Bedingungen an. Die GDL-Spitze will am Montag über die Aufnahme von Verhandlungen entscheiden.

Hamburg - Die Deutsche Bahn offeriert einen "eigenständigen Tarifvertrag für Lokomotivführer", der sich jedoch "konflikt- und widerspruchsfrei" in das gesamte Tarifwerk einfügen solle. Dies war ein Kernpunkt des Kompromisspapiers der Vermittler Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf, das Bahn und GDL bereits Ende August unterzeichnet hatten.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte am Samstag dem ZDF: "Wir werden die Tarifeinheit in der DB nicht verhandeln." Das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das kann man nicht aufgeben." Mehdorn bestätigte, dass der GDL "Lohnerhöhungen zwischen acht und 13 Prozent" angeboten würden.

Auf der Einkommensseite enthält das Angebot nach dpa-Informationen im einzelnen Verbesserungen von mindestens 8 Prozent. Die Tabellenentgelte sollen demnach um 4,5 Prozent steigen, dazu kommen weitere Erhöhungen durch Verbesserungen der Entgeltstruktur sowie bei Zulagen. Darüber hinaus könnten durch zusätzliche bezahlte Mehrarbeit am Ende bis zu 13 Prozent mehr Geld zusammenkommen. Ein Bahnsprecher bekräftigte am Samstag die Verhandlungsbereitschaft der Bahn.

Das neue Angebot hatte die GDL am vergangenen Mittwoch erhalten, nachdem sich Bahnchef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende Manfred Schell zu einem Spitzengespräch getroffen hatten. Die GDL hatte dann angekündigt, das Angebot von Hauptvorstand und Tarifkommission prüfen zu lassen. An diesem Montag will Schell in Berlin die Entscheidung über das weitere Vorgehen bekanntgeben. Sollte sich die GDL für den Beginn verbindlicher Verhandlungen aussprechen, wird währenddessen nicht gestreikt. Andernfalls droht ein erneuter Arbeitskampf.

Der GDL-Bezirkschef in Berlin-Sachsen-Brandenburg, Hans-Joachim Kernchen, lehnte ein Abrücken vom Ziel eines eigenständigen Tarifvertrags strikt ab. Er werde keiner Vereinbarung zustimmen, die diesen zentralen Punkt außen vor lasse, sagte er. Dabei sei Eigenständigkeit klar definiert. "Wir bestimmen über Arbeitszeit und Entgelt für das Fahrpersonal in Zukunft alleine." Kernchen betonte, es gebe entsprechende Beschlüsse. "Ich sehe überhaupt keine Veranlassung von dieser Beschlusslage abzurücken, auch nicht unter der Maßgabe, wenn man uns mit Geld "zuschmeißen" sollte."

Der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, äußerte sich skeptisch zu den Verständigungschancen zwischen Bahn und GDL. "Die GDL-Führung würde niemals fünf Tage lang ein Angebot prüfen, wenn es ohne Substanz wäre", sagte Hansen dem "Tagesspiegel".

"Meine Befürchtung ist aber, dass die GDL noch eigenständigere Regeln will und die Verhandlungen am Ende daran scheitern werden." Er bekräftigte, die parallel begonnenen eigenen Verhandlungen mit der Bahn über bessere Entgeltsysteme müssten rasch fortgesetzt werden. Auch Transnet könne sich Ende Januar aus der Friedenspflicht befreien und zu Streiks aufrufen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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