Airbus "Das ist lebensbedrohlich"

"Radikale Maßnahmen" hat Airbus-Chef Thomas Enders angekündigt. Der Kursverfall des Dollar sorge dafür, dass der Flugzeugbauer sein Sparprogramm verschärfen müsse. Bei dem Sparprogramm Power 8 könne es nicht bleiben. An den Verkaufsplänen für einige deutsche Werke hält Airbus fest.

Hamburg - Airbus-Chef Thomas Enders hat nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Donnerstag vor deutschen Betriebsräten "radikale Maßnahmen" wegen des Kursverfalls des Dollars angekündigt.

Das Geschäftsmodell des Tochterunternehmens von EADS  sei "nicht mehr tragfähig", sagte Enders am Donnerstag in Hamburg. Der Euro-Kurs  habe "die Schmerzgrenze überschritten", das Tempo des Dollarverfalls lasse "vernünftige Anpassungsprozesse kaum noch zu": "Das ist lebensbedrohlich."

Obwohl das Unternehmen in diesem Jahr Aufträge in Rekordhöhe erwarte, müsse man deshalb auch mit "gewaltigen Verlusten" rechnen. Das aktuelle Sanierungsprogramm "Power 8" geht von einem Eurokurs von 1,35 Dollar aus. Derzeit notiert die europäische Währung aber bei knapp 1,50 Dollar.

Deshalb müssten nun weitere Maßnahmen getroffen werden. Genaueres werde in den kommenden Wochen entschieden: "Es geht um radikale Maßnahmen", sagte Enders. "Vor allem müssen wir unsere Zukunftsinvestitionen auf den Prüfstand stellen. Da werden manche Verbesserungen Blütenträume bleiben."

In Unternehmenskreisen bezweifelt man, dass Enders mit seiner Brandrede auf einen weiteren gravierenden Personalabbau zielt. Angesichts der Auftragslage sei in diesem Bereich kaum noch Sparpotential. Allerdings sagte Enders zu den zu erwartenden Sparmaßnahmen: "Es kann keine Tabus mehr geben, es geht um die gesamte Wertschöpfungskette – auch um Outsourcing."

Es bleibt beim Verkauf der Werke

Derzeit werden im Rahmen des Sanierungsprogramms Power 8 unter anderem Partner oder Käufer für die Werke in Varel, Laupheim und Nordenham gesucht. Berichte der "Süddeutschen Zeitung", wonach die EADS-Tochter den geplanten Verkauf von deutschen Werken vorerst zu stoppen erwägt, hat Airbus am Abend zurückgewiesen.

Im Wettbewerb mit dem US-Flugzeughersteller Boeing  hat Airbus erstmals seit Jahren wieder die Nase vorn. Bis Mitte November kamen die Europäer trotz der Verzögerungen beim Bau des Riesenairbus A380 auf knapp 1200 Bestellungen für neue Flugzeuge. Im Rekordjahr 2005 waren 1111 Maschinen geordert worden.

Boeing meldete am Donnerstag ebenfalls einen Auftragsrekord. Bislang seien in diesem Jahr 1047 Bestellungen eingegangen, teilte das Unternehmen auf seiner Internet-Seite mit. Damit liegt die Zahl der Neubestellungen bereits höher als 2006. Im vergangenen Jahr waren bei Boeing 1044 Bestellungen eingegangen. Besonders gefragt sind die Modelle der 737-Reihe mit 580 Aufträgen und der neue Langstreckenflieger 787 "Dreamliner" mit 290 Bestellungen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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