Sachsen LB Ominöse 300-Millionen-Grenze

Sachsen will 300 Millionen Euro für den Verkauf seiner Landesbank an die Landesbank Baden-Württemberg einstreichen. Doch die Belastungen der Sachsen LB aus der Hypothekenkrise könnten so groß werden, dass der Preis für das Geldhaus nicht mehr erzielt werden kann, fürchtet die Opposition. Droht das Geschäft noch zu platzen?
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Eigentlich schien alles perfekt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hatte die Gunst der Stunde genutzt und seiner ambitionierten Landesbank LBBW die kleine Sachsen LB einverleibt. Zu groß schienen den Dresdenern die Probleme der Sachsen LB mit Hypothkenkrediten, als dass sie auf einen starken Partner verzichten wollten. Doch jetzt droht um das Geschäft eine neue Kontroverse.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte sich darauf eingelassen, den endgültigen Kaufpreis für seine Landesbank erst Ende des Jahres bestimmen zu lassen. Bisher ist nur die Größenordnung fixiert worden: Bis zu 800 Millionen Euro sollen die Stuttgarter für die kleinste deutsche Landesbank nach Dresden überweisen. Die "Untergrenze" für das Geschäft aber liege bei 300 Millionen Euro, hatte Milbradt im sächsischen Landtag zur Bedingung gemacht. Genau das könnte jetzt zum Knackpunkt werden.

Die Sachsen LB leidet noch immer unter den Folgen der Kreditkrise an den Finanzmärkten. Schon im August mussten ihr andere Sparkassen und Landesbanken mit einer gewaltigen Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro zur Seite springen, um notfalls für kippelnde US-Hypothekenkredite gewappnet zu sein. So etwas gab es Jahrzehnte lang nicht unter deutschen Banken. Jetzt aber muss sich die Sachsen LB erneut um ihre Gläubiger kümmern.

Die Unternehmenstochter Sachsen LB Europe, angesiedelt im Steuerparadies Irland, hat die Investoren des hauseigenen Sachsen Funding I gebeten, bis zum 5. Dezember eine folgenschwere Klausel aus den Investitionsbedingungen außer Kraft zu setzen. Die hätte das Management des Investmentvehikels gezwungen, Wertpapiere aus dem eigenen Portfolio sofort zu verkaufen, wenn deren Marktpreis unter einen bestimmten Wert fällt.

"Das ist eigentlich eine Sicherheitsvorkehrung für die Investoren, die so darauf vertrauen können, dass der angegebene Wert des Portfolios aus 74 Hypothekenanleihen den tatsächlich dafür erzielbaren Preisen entspricht", sacht Sachsen-LB-Sprecher Frank Steinmeyer zu manager-magazin.de. In der aktuellen Marktlage aber wurde aus dieser Sicherheitsvorkehrung ein Unsicherheitsfaktor.

Da die Preise für solche Finanzgeschäfte mittlerweile insgesamt in den Keller gerauscht sind, müsste das Management des Sachsen Funding I eine Vielzahl der vorhandenen Papiere zwangsverkaufen, und zwar zu schlechten Preisen. Im Extremfall müsste die Investmentgesellschaft sogar aufgelöst werden - zum Schaden der Sachsen LB. Und der Sachsen Funding I hat ein Volumen von 2,2 Milliarden Dollar.

Zu geringe Gewinnaussichten?

Zu geringe Gewinnaussichten?

Tatsächlich ist es der Sachsen LB zusammen mit ihrer hoffnungsvollen Mutter LBBW gelungen, den Investoren das Zugeständnis abzuringen, die ominöse Vertragsklausel bis zum 5. Dezember außer Kraft zu setzen und bis dahin nach einer Lösung für den Sachsen Funding I zu suchen. Ob die wenigen verbleibenden Tage bis zum 5. Dezember dafür allerdings reichen, ist unklar. Denn noch scheint kein Abflauen der weltweiten Kreditkrise in Sicht zu sein. Im Gegenteil.

Erst gestern mussten amerikanische Autokreditfinanzierer wie GMAC und Ford Credit eingestehen, dass die Kreditkrise nun auch ihr Geschäft erreiche. Und die Großbanken in Europa trauen sich noch immer nicht, sich gegenseitig günstige Kredite zu gewähren, die länger als drei Monate Laufzeit haben.

Sachsens Ministerpräsident Milbradt kommt das ungelegen. Sollte sich der Kreditmarkt nicht langsam beruhigen, droht auch der Wert seiner Bank zu sinken. Schließlich hat das Geschäft mit Hypothekenkrediten bei seiner Sachsen LB in den vergangenen Jahren einen erheblichen Teil zum Gewinn der Bank beigesteuert. Sollte der Markt für solche Hypothekenkredite jetzt allerdings dauerhaft wegbrechen, würde auch die Gewinnerwartung der Bank für die Zukunft sinken - und bei den Verkaufspreisverhandlungen mit der LBBW zum Jahresende tendenziell die Überweisung drücken, die Milbradt für seine Landesbank erhalten möchte.

Sachsens Finanzminister Stanislaw Tillich (CDU) besteht offenbar aber weiterhin darauf, dass der Verkaufspreis von 300 Millionen Euro die "Untergrenze" für den Verkauf seien.

Sachsens Opposition macht dagegen mittlerweile eine ganz andere Rechnung auf. Der SPD-Landtagsabgeordente Karl Nolle beispielsweise fürchtet, dass Sachsen im günstigsten Fall "noch 50 Millionen Euro" oben drauf legen müsste, um die Bank verkauft zu bekommen. Nach allem, was die sächsische Landesregierung bisher sagte, würde die Abgabe der Sachsen LB an die LBBW dann scheitern. Es sei denn, die Schwaben zahlten neben anderen Abreden noch hunderte Millionen für ein Geldinstitut, dass diese Barsumme vielleicht gar nicht mehr wert ist.

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