China ArcelorMittal übernimmt Stahlfirma

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal könnte als erster die Mehrheit an einem chinesischen Unternehmen übernehmen. China verbietet ausländische Kontrolle an der strategisch wichtigen Industrie. Doch den Luxemburgern kommt zugute, dass die privatisierte China Oriental offiziell in Bermuda residiert.

Frankfurt am Main - Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal  will seinen Anteil an dem chinesischen Stahlunternehmen China Oriental Group  erhöhen. Er könnte damit das erste ausländische Unternehmen werden, das die Kontrolle über eine chinesische Firma im sensiblen Stahlsektor erlangt.

ArcelorMittal bestätigte am Donnerstag in einer knappen Pressemitteilung Gespräche mit den Großaktionären von China Oriental über eine künftige Kooperation und die Aufstockung seines Anteils von 28 Prozent. Laut einer Mitteilung an die Börsenaufsicht von Hongkong hat Arcelor Mittal seine Long Position an der China Oriental auf 78,1 Prozent erhöht. Die Erhöhung des Anteils korrespondiert mit einer Short Position von 45,1 Prozent des Chairmans der China Oriental, Han Jinyuan. Ein Kaufpreis wird in dem Schriftstück nicht genannt. Für seinen Anteil von 28,03 Prozent hatte der in Luxemburg ansässige Stahlriese Anfang des Monats 647 Millionen Dollar bezahlt.

Ausländische Kontrolle verboten

In China dürfen ausländische Konzerne eigentlich nicht die Mehrheit an Stahlunternehmen erwerben, weil dieser Sektor als strategisch wichtig gilt. Der Firmensitz von China Oriental, die 2001 privatisiert wurde, ist allerdings in Bermuda. Insofern ist der Konzern rechtlich gesehen keine einheimische Firma, obwohl die Produktion von Stahlträgern und Flachstahl in der nordchinesischen Provinz Hebei angesiedelt ist.

Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und zwischen 2001 und 2003 auf dem Wege eines Management-Buyout zu einer privaten Firma mit derzeit 4500 Beschäftigten. Nach eigenen Angaben gehört China Oriental zu den effizientesten Stahlherstellern in China und zu den 500 chinesischen Unternehmen mit den größten Zuwächsen bei Umsatz und Profit. Die Nachfrage nach Stahl in China sei nach wie vor größer als das Angebot.

Milliardeninvestitionen in Indien

Milliardeninvestitionen in Indien

Die "Financial Times" hatte am Donnerstag unter Berufung auf die Börsen-Dokumente berichtet, ArcelorMittal habe die Mehrheit an dem chinesischen Stahlunternehmen bereits übernommen, wolle die Transaktion aber nicht veröffentlichen, um mehr Zeit für Verhandlungen mit den chinesischen Behörden zu haben. Dem Bericht zufolge wäre der Mehrheitsanteil rund 1,7 Milliarden US-Dollar (1,15 Milliarden Euro) wert. Ein Sprecher des in Luxemburg ansässigen Stahlriesen wollte den Bericht nicht kommentieren. Eine Sprecherin von China Oriental kündigte eine Stellungnahme für Donnerstag oder Freitag an.

ArcelorMittal ist bereits an mehreren chinesischen Unternehmen beteiligt, unter anderem am zehntgrößten Stahlproduzenten des Landes, Hunan Valin Tube and Wire. Der Erwerb von 38 Prozent an dem neuntgrößten Produzenten Laiwu Steel muss noch von der chinesischen Regierung genehmigt werden.

ArcelorMittal gab am Donnerstag zudem bekannt, dass für rund 20 Milliarden Dollar zwei neue Stahlwerke in Indien mit einer Kapazität von zwölf Millionen Tonnen gebaut werden. Die für die Werke in Jharkand und Orissa nötigen Kohlenlieferungen seien bereits zugesichert. Im vergangenen Jahr hat ArcelorMittal rund 110 Millionen Tonnen Rohstahl produziert. Das ist rund ein Zehntel der Weltproduktion. 2012 will ArcelorMittal gut 130 Millionen Tonnen Stahl ausliefern.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dow jones und dpa

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