Daimler-Chef Zetsche "Wir stehen auf der Lichtung"

Die deutschen Autohersteller Daimler und BMW treiben ihre Pläne für den Bau eines gemeinsamen Motors voran. Der Erfolg der Kooperation ist laut Daimler-Chef Dieter Zetsche aber nicht an einen Einstieg der Quandt-Familie bei den Stuttgartern gekoppelt.
Von Arne Stuhr

Hamburg - "Wir führen derzeit konkrete Gespräche mit BMW, die über die bereits bestehende Hybrid-Kooperation hinausgehen", sagte Dieter Zetsche am Mittwochabend vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten .

Der Daimler-Chef wehrte sich allerdings dagegen, die mögliche Zusammenarbeit der beiden Premiumhersteller mit Spekulationen jeglicher Art zu überladen. Er spielte damit auf Spekulationen über einen Einstieg der den potenziellen Partner BMW dominierenden Familie Quandt bei Daimler  an. "Ob wir zusammen mit BMW  einen kleinen Motor entwickeln, hängt nicht von unserer Aktionärsstruktur ab", sagte Zetsche.

Auch darüber hinaus sieht der Daimler-Primus keine Notwendigkeit, einen Großinvestor für seinen Konzern zu suchen. "Wir stehen auf der Lichtung, und das finde ich gar nicht schlecht", so Zetsche. Zu einem "Objekt der Begierde" werde ein Unternehmen nicht durch breit gestreute Anteilscheine, sondern durch nicht gehobenes Potenzial. Außerdem sei es "kein Naturgesetz", dass ein sogenannter Ankerinvestor sich nicht wieder von seinen Anteilscheinen trennt.

"Damals alle Ziele bei Chrysler erreicht"

Wenig Sorgen bereiten Zetsche nach eigenen Aussagen auch die Nachwehen der Trennung vom US-Autobauer Chrysler. "Wir haben alles andere als ein Liquiditätsproblem", konterte Zetsche die Frage, ob ihn die drohende Inanspruchnahme eines 1,5-Milliarden-Dollar-Kredits durch den Chrysler-Käufer Cerberus nervös mache. Auch für mögliche Nachschusspflichten in die Chrysler-Pensionskasse in Höhe von einer Milliarde Dollar sei vorgesorgt worden. Allerdings stellte er sichtlich erleichtert fest, den Deal "aus heutiger Sicht in letzter Minute" abgeschlossen zu haben.

Über seine eigene Zeit als Chrysler-Lenker sagte Zetsche, dass er und sein einstiger Vize Wolfgang Bernhard damals alle Ziele erreicht hätten. Mehr sei angesichts der "gegebenen Grenzen" zum Beispiel durch den sehr harten Wettbewerb und die gestiegenen Kraftstoffpreise nicht drin gewesen. Zu den nun erfolgten weiteren Einschnitten durch Cerberus gab es "keine Alternative".

Prädikat "Autobahn-fest"

Insgesamt hält Zetsche das restliche Risiko der Chrysler-Transaktion für überschaubar. Für 2007 geht er nach wie vor für Daimler von einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mindestens 8,5 Milliarden Euro aus.

Daran änderten auch der hohe Ölpreis und der schwache Dollar nichts. Er sei "kein Masochist, der sich über hohe Benzin- und Dieselpreise freue", sagte Zetsche, aber eine Premiummarke wie Mercedes-Benz sei davon halt weniger stark betroffen als die Massenhersteller.

Der anhaltenden Dollar-Schwäche versuche man unter anderem mit einem Ausbau der eigenen Kapazitäten im Dollar-Raum und einer verstärkten Zusammenarbeit mit US-Zulieferern zu begegnen. "Die Realisierung sei aber nicht ganz einfach", räumte Zetsche ein. Langfristig helfe daher nur eine Verbesserung der gesamten Kostenposition sowie eine anhaltende Steigerung der Produktivität.

Prädikat "Autobahn-fest"

Da der Absatz derzeit mit der wachsenden Produktivität mitsteige, sei ein Personalabbau in Deutschland derzeit kein Thema. Zetsche bezeichnete die Lage "aus heutiger Sicht als stabil". Jüngst hatte der Konzern sogar angekündigt, das Personal in den Werken Würth und Kassel aufzustocken.

Die aktuell geführte Debatte zum Tempolimit nannte Zetsche eine "Symboldiskussion". Angesichts der tatsächlich auf Deutschlands Straßen gefahrenen Geschwindigkeiten wären die Auswirkungen eines Tempolimits auf den CO2-Ausstoß im "Nachkommabereich" anzusiedeln.

Dass man mit dem Argument der jetzt schon niedrigen Durchschnittgeschwindigkeit auch für eine gesetzliche Regelung sein könnte, konterte er damit, dass das Prädikat "Autobahn-fest" noch immer bei vielen Kunden im Ausland ziehe. Diesen Wettbewerbsvorteil sollte man nicht leichtfertig aufgeben.

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