Bahn Keine Streiks bis Dienstag

Nach dem massivsten Arbeitskampf in der Geschichte der Deutschen Bahn hat der Konzern mit einem neuen Angebot an die Lokführer wieder Bewegung in die starren Fronten gebracht. Weitere Streiks im Güter- und Personenverkehr sind damit vorerst vom Tisch.

Frankfurt am Main/Berlin - Wie die wenige Stunden nach einem Spitzengespräch gemachte Offerte aussah, blieb geheim. Die Bahn sprach am Mittwoch nur von einem "deutlich verbesserten" Angebot. Nächsten Montag will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) entscheiden, ob sie auf Grundlage des neuen Angebots wieder mit der Bahn verhandelt. Das vorherige Angebot hatte die Bahn Mitte Oktober vorgelegt.

"Wir werden das Angebot prüfen", sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Die etwa 30 Mitglieder von Hauptvorstand und Tarifkommission würden am Montag entscheiden, "ob wir auf Basis dieses Angebots in Verhandlungen eintreten werden". Ein GDL-Sprecher sagte in Frankfurt: "Bis zum diesem Zeitpunkt wird es keine Streiks geben." Sollten die GDL-Gremien beschließen, in Verhandlungen einzutreten, gilt wieder Friedenspflicht. Während der Verhandlung dürften die Lokführer nicht streiken.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte am Mittwoch: "Wir sind ab sofort jederzeit und an jedem Ort zu Verhandlungen bereit." Am Dienstag hatten Mehdorn und Schell bis zum späten Abend um eine Lösung in dem Tarifkonflikt gerungen. Nach Angaben der GDL gab es am Mittwoch kein weiteres Treffen von Vertretern der Bahn und der Gewerkschaft.

Das bisherige Angebot der Bahn enthielt 4,5 Prozent mehr Geld, 600 Euro Einmalzahlung sowie weitere Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit für die Lokführer. Die GDL hatte dies umgehend als unzureichend bezeichnet. Sie fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und Einkommensverbesserungen im zweistelligen Prozentbereich. Es folgten wochenlang immer wieder Streiks. Zuletzt legten die Lokführer 62 Stunden weite Teile des Bahnbetriebs lahm.

Merkel: "Tarifkonflikt darf nicht bis Weihnachten dauern"

Auch die mit der GDL konkurrierende Bahn-Gewerkschaft Transnet pocht inzwischen auf rasche Vorschläge des Konzerns zur Verbesserung der Entgeltsysteme. "Ich erwarte noch in dieser Woche entsprechende Angebote", sagte der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen im Sender n-tv. "Wenn die nicht kommen, werden wir uns überlegen müssen, wie wir unsere Mitglieder mobilisieren." Hansen mahnte: "Alles, was mit der GDL abgeschlossen wird und andere Beschäftigte in ihrer Erwartungshaltung genauso betrifft, wird den Konflikt nur verlängern und nicht beenden."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte von den Tarifparteien "volle Konzentration" auf eine Einigung. "Der Tarifkonflikt bei der Bahn darf nicht bis Weihnachten dauern", sagte sie der "Bild"-Zeitung (Mittwoch).

Kritik an der Lokführergewerkschaft äußerte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). "Wenn man nur auf seine eigene Klientel schaut, hat das mit Solidarität wenig zu tun", sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag). Er forderte die GDL auf, wieder in den Tarifverbund der übrigen Gewerkschaften bei der Bahn zurückzukehren.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.