RWE Erneuerung allerorten

RWE will künftig stark auf erneuerbare Energien bei der Stromerzeugung setzen. Wenigstens eine Milliarde Euro pro Jahr soll die neugegründete Tochtergesellschaft RWE Innogy dafür jährlich investieren - und dem Ruhrgebietskonzern einen stetigen und einschneidenden Kulturwandel bescheren.
Von Karsten Stumm

Essen - Jürgen Großmann beginnt, die RWE  umzubauen. Erst wenige Tage als Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Energieunternehmens in Amt, hat der neue Firmenlenker dem traditionsreichen Ruhrgebietskonzern gleich eine neue Unternehmenssparte verordnet.

Ab sofort fasst RWE sein Geschäft mit erneuerbaren Energien in der neu gegründeten Gesellschaft RWE Innogy zusammen. Chef der Sparte wird Fritz Vahrenholt, der zuvor die Windradfirma Repower  geleitet hatte. Aus der Zeit kennen sich Vahrenholt und Großmann auch näher: Großmann, Besitzer des Stahlwerks Georgsmarienhütte, half Repower einst eine problematische Sechs-Meter-Welle für eine Windanlage gießen zu lassen. "Die Mehrkosten für diese Nothilfe hat Großmann mir damals aufgebürdet, das habe ich nicht vergessen", sagte Vahrenholt lächelnd zu manager-magazin.de. Jetzt leitet er Großmanns neueste RWE-Gesellschaft.

"Es ist vorgesehen, zum Start Erzeugungskapazitäten von rund 1500 Megawatt in dieser Gesellschaft zu bündeln", sagte der RWE-Chef heute. Mehr als genug, um beispielsweise eine Millionenstadt wie Köln mit Strom zu beliefern. Ab dem kommenden Jahr will RWE dann wenigstens eine Milliarde Euro in Kraftwerke mit erneuerbaren Energieträgern investieren.

Das wäre etwa ein Fünftel der gesamten jährlichen Investitionen des Essener Unternehmens - und erheblich mehr als bisher. "Derzeit stecken wir etwa einen dreistelligen Millionenbetrag in das Geschäft mit erneuerbaren Energien", sagte Großmann und ergänzte: "Man kann hier wirklich von einem Meilenstein, von einer grundlegenden Weichenstellung sprechen, die wir mit RWE Innogy vornehmen."

Offene Flanke geschlossen

Offene Flanke geschlossen

Tatsächlich verordnet Großmann seinem Unternehmen damit auch nichts weniger als einen Kulturwandel. Schließlich sind die RWE vor allem mit Kohlekraftwerken groß geworden, später kam insbesondere die Kernenergie hinzu. Alternative Energieträger wie beispielsweise Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Erdwärme oder Sonnenstrahlung spielen bisher eher eine untergeordnete Rolle im Kraftwerkspark des Ruhrgebietskonzerns. Genau das aber will Großmann jetzt ändern.

Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien in der RWE-Stromerzeugung von derzeit rund 5 auf dann etwa 20 Prozent steigen, wie es zuletzt die Europäische Kommission gefordert hat. Das wäre dann der Stellenwert, den heute die Atomenergie für RWE innehat. "Wir schließen damit, wenn ich das mal so sagen darf, eine offene Flanke", sagte Großmann heute - wenn auch etwas später als manche RWE-Konkurrenten. Der rheinische Rivale Eon  beispielsweise will jährlich gar sechs Milliarden Euro in erneuerbare Energieträger investieren, startet damit aber quasi zeitgleich mit RWE. Die spanische Stromgesellschaft Iberdrola  aber setzt schon seit Jahren auf erneuerbare Energien.

Investieren will RWE seine Milliarden in den kommenden Jahren vor allem in Windkraftanlagen, sowohl auf dem Festland als auch in Windparks auf der offenen See. "Denn die Windkraft wird auch in Zukunft profitabel bleiben, wenn die Subventionen für diese Energieart in den kommenden Jahren sinken werden, wie es die Bundesregierung ja plant", sagte der neue Chef der RWE Innogy, Vahrenholt, zur Begründung.

Nach Deutschland allerdings werden wohl nur weniger als die Hälfte der angekündigten Milliardeninvestitionen fließen. "Ich will mich nicht auf eine Prozentzahl festlegen, die wird von Jahr zu Jahr je nach anstehenden Projekten schwanken. Aber bis zu einer Größenordnung von 40 Prozent unseres Investitionsbudgets können durchaus in Deutschland investiert werden", sagte Vahrenholt. Der Großteil werde aber voraussichtlich für Projekte in Großbritannien, Italien und Osteuropa verwendet. "Größere Firmenzukäufe sind für RWE Innogy dabei nicht in erster Linie geplant, die Preise für entwickelte Windkraftanbieter sind dafür schon sehr hoch", sagte RWE-Chef Großmann.

RWE Innogy soll im Februar 2008 mit etwa 600 Mitarbeitern starten, der Umsatz soll dann ungefähr 400 Millionen Euro betragen. Der Vorläufer der neuen RWE-Gesellschaft wäre die Harpen AG  gewesen, die das Engagement des Unternehmens im Bereich regenerativer und dezentraler Energien einst bündelte. Ende 2005 ließ RWE das Harpen-Geschäft dann allerdings in seiner Kraftwerkssparte aufgehen. "In seiner 110-jährigen Firmengeschichte hat RWE sicher schon einmal eine einst getroffene Entscheidung später wieder in eine andere Richtung gedreht", sagt RWE-Chef Großmannn heute dazu.

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