Volkswagen 2008 steigt die Schlagzahl

Zusätzlich zu massiven Investitionen in neue Modelle will der VW-Konzern offenbar die Produktion in seinem Wolfsburger Stammwerk 2008 ausweiten. Beim künftigen Mehrheitseigner Porsche ist man sich indes angeblich uneins über den künftigen Kurs von VW.

Wolfsburg - Im kommenden Jahr sollen in Wolfsburg über 100.000 Fahrzeuge mehr als 2007 gefertigt werden, schreibt die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" (Samstagausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Zahlen seien vom VW-Aufsichtsrat abgesegnet worden.

So steige die Produktion beim Golf um acht Prozent und bei der VW-Tochter Auto 5000, die die Modelle Touran und Tiguan fertigt, um 37 Prozent.

Laut Unternehmenskreisen sollen 2008 rund 434.000 Golf und Golf Plus in Wolfsburg gebaut werden, rund 30.000 Modelle mehr gegenüber 2007, schreibt das Blatt. Ab Mitte nächsten Jahres solle zudem der Rechtslenker-Golf aus Südafrika für den pazifisch-asiatischen Markt wieder in Wolfsburg gefertigt werden. Im Gegenzug erhalte das Werk Uitenhage mehr Polo-Modelle.

Bei der Tochter Auto 5000 ist der Zuwachs noch deutlicher: 2008 sollen dem Bericht zufolge vom Tiguan 118.000 Fahrzeuge gebaut werden, im Zuge des Neu-Anlaufs seien es 2007 rund 16.000 Autos gewesen. Im Gegenzug reduziere sich die Produktionszahl beim Touran von 176.000 auf 146.000.

Ein Sprecher von Volkswagen  wollte die Zahlen gegenüber manager-magazin.de im Einzelnen nicht kommentieren. Er bestätigte aber die generelle Tendenz steigender Stückzahlen. "Der Golf läuft nach wie vor sehr gut", so der Sprecher. "Für den Tiguan liegen bereits 20.000 Vorbestellungen vor."

Am Freitag hatte der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg bereits beschlossen, dass Europas größter Autobauer in den kommenden Jahren massiv Geld in die Entwicklung neuer Modelle stecken wird. Im Zeitraum 2008 bis 2010 will der Konzern 29 Milliarden Euro investieren.

Knapp die Hälfte, 13,8 Milliarden, sind für neue Modelle vorgesehen. Die Investitionsquote soll im Schnitt sechs Prozent betragen. Im Zuge des Sparkurses unter dem ehemaligen Firmenchef Bernd Pischetsrieder war sie auf unter sechs Prozent gefallen, nachdem sie jahrelang darüber gelegen hatte.

20 neue Modelle in drei Jahren

20 neue Modelle in drei Jahren

Im vergangenen Jahr war nur eine Investitionssumme für die Jahre 2007 bis 2009 von 24,7 Milliarden veranschlagt worden. Binnen drei Jahren will VW nun 20 neue Fahrzeuge entwickeln. Der Konzernabsatz soll auf acht Millionen klettern, was allerdings nur ein Zwischenziel ist.

VW-Chef Martin Winterkorn wollte dem Aufsichtsrat am Freitag auch erklären, wie es der Konzern auf einen Absatz von weltweit mehr als zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr 2018 schaffen kann.

2007 sollen bei Volkswagen erstmals mehr als sechs Millionen Autos vom Band rollen. Den Absatz will VW vor allem mit zusätzlichen Modellen wie Pick-Ups, Vans und Geländewagen ankurbeln.

In diesen wachstumsstarken Segmenten will VW dem Weltmarktführer Toyota  nacheifern. Die Japaner haben allerdings noch einen deutlichen Vorsprung vor VW - im Jahr 2009 will Toyota als erster Autobauer der Welt die Marke von zehn Millionen verkauften Fahrzeugen durchbrechen.

Um sein Wachstumstempo zu beschleunigen investiert Volkswagen in aufstrebende Regionen: In Russland und Indien entstehen neue Werke. Zudem sollen in China 2,1 Milliarden Euro ausgegeben werden. Von den insgesamt für Sachinvestitionen veranschlagten 20,9 Milliarden Euro sind 7,1 Milliarden für die Modernisierung von Presswerken, Lackierereien und Montagewerken vorgesehen.

Auch in Bereiche wie Ersatzteile, Qualitätssicherung und Informationstechnologie will VW massiv investieren. Der Betriebsrat begrüßte die Entscheidungen. Über die Hälfte der Ausgaben für Sachinvestitionen ist für deutsche Standorte geplant.

Vorstand und Betriebsrat seien darin einig, dass die Produktivität von Volkswagen weiter steigen müsse. "Um die Beschäftigung zu sichern, müssen wir beim Absatz gleichzeitig wachsen", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Wiedeking kämpft gegen Piech

Wiedeking kämpft gegen Piech

Zu einem Streit über die Zukunft von Volkswagen ist es unterdessen angeblich beim Sportwagenhersteller Porsche , der demnächst die Mehrheit bei Volkswagen übernehmen dürfte, gekommen. Laut Magazin "Fokus" ist ein Machtkampf zwischen dem Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und Miteigentümer Ferdinand Piech entbrannt.

Dem Blatt zufolge plant Wiedeking massive Veränderungen bei VW mit Rückendeckung der Porsche-Familie, insbesondere von Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche.

Dessen Cousin, der VW-Aufsichtsratschef Piech, fürchte um seinen Einfluss in Wolfsburg, da er durch Wiedekings Pläne seine jahrelange VW-Strategie in Frage gestellt sehe. Wiedekings Vorstellungen für VW deute er als eine Art Kriegserklärung.

Wie das Magazin weiter schreibt, hält Wiedeking nichts von Piechs Philosophie, die Konzernmarken VW und Audi  gegeneinander antreten zu lassen. Der Audi A3 etwa nehme dem Verkaufsschlager Golf wichtige Stückzahlen weg.

Konzerntöchter wie Skoda oder Seat sollten künftig nur noch als Regionalmarken positioniert werden, um die Kernmarke VW nicht zu gefährden. Bei den Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini, die Piech einst erworben hatte, bezweifele Wiedeking den Nutzen für Volkswagen.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters