VW Porsche sorgt sich ums Betriebsklima

Zerschlagung, Auflösung im Porsche-Mutterhaus, Gehaltsverluste – die Ängste der VW-Belegschaft sind vielfältig. Mit einer PR-Kampagne versucht Porsche nun, die Gemüter zu beruhigen. In mehreren Tagezeitungen erscheint heute ein offener Brief.

Frankfurt am Main - Volkswagen  solle nicht zerschlagen werden, es werde keine Fusion mit Porsche  geben, zitiert die "Wolfsburger Allgemeine Zeitung" aus Anzeigen, die Porsche am Mittwoch in mehreren Zeitungen geschaltet habe und die sich an die Mitarbeiter richteten. "Porsche steht für Arbeitsplatzsicherung, Standortsicherung und Gehaltssicherung", stehe darin. Die Verunsicherung in der VW-Belegschaft gehe auf Gerüchte und Spekulationen zurück, "die mit der Realität nichts zu tun haben", heißt es dort weiter. Die Betriebsräte bei VW blieben erhalten und unabhängig.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßt den Schritt von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der Porsche-Vorstand habe sich dem Druck der VW-Arbeitnehmer gebeugt. "Wir werten dies als Schadensbegrenzung und Versuch, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen", sagte Osterloh. "Mir wäre es allerdings lieber gewesen, wenn Herr Wiedeking vor Wochen mit uns gesprochen hätte. Dann hätte er sich eine breit angelegte Anzeigenkampagne sparen können", sagte Osterloh. Nun müssten den großen Worten aber Taten folgen. Die Mitarbeiter von VW müssten in den Gremien bei Porsche angemessen berücksichtigt werden, forderte er.

Nach dem Kauf des VW-Aktien-Pakets hatte Porsche den Konzern neu organisiert. Sportwagenbauer und die VW-Beteiligung operieren nun unter dem Dach einer Holding nach europäischem Recht. Gestern wurde die neue Holding ins Handelsregister eingetragen. Für diese hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit seinem Betriebsratschef Uwe Hück eine Mitbestimmungsregelung vereinbart, die den Porsche-Mitarbeitern die gleiche Stimmenzahl im Aufsichtsrat zubilligt wie der ungleich größeren Belegschaft von VW. Dagegen war der VW-Betriebsrat zunächst vergeblich vor das Arbeitsgericht gezogen.

Osterloh forderte Porsche-Aufsichtsratschef und Großaktionär Wolfgang Porsche auf, zu dem Streit Stellung zu nehmen. "In Familienunternehmen ist es üblich, dass der Chef sich zu wichtigen Zukunftsfragen äußert. Das ist in diesem Fall Wolfgang Porsche, von dem wir bis heute kein Wort gehört haben. Er kann sich nicht hinter seinem Vorstand verstecken". Sie dürften nicht zulassen, dass es bei Porsche künftig "Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse gibt".

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa