Bahn-Streik "Zigtausenden Beschäftigten droht Kurzarbeit"

Der Streit um die Lokführer der Bahn spitzt sich zu. Ab heute bestreikt die Gewerkschaft GDL den Güterverkehr, ab morgen auch den gesamten Personenverkehr. Die Wirtschaft sorgt sich bereits um den Nachschub.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft befürchtet erhebliche Auswirkungen des Lokführerstreiks. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild": "Zigtausenden Beschäftigten droht Kurzarbeit, weil der Nachschub fehlt." Er verlangte eine zügige Beilegung des Konflikts und richtete sich mit dieser Forderung vor allem an die Lokführergewerkschaft GDL.

Die setzt die Deutsche Bahn mit immer massiveren Streikwellen kräftig unter Druck. Zunächst trifft es von heute Mittag an den Güterverkehr. Am Donnerstag wird es dann aber auch für die Privatkunden hart: Ab 2.00 Uhr wird 48 Stunden lang der Arbeitskampf auf den Personenfern- und Nahverkehr ausgeweitet. So solle bundesweit der gesamte Bahnverkehr bis Samstag 2.00 Uhr zumindest erheblich gestört werden, kündigte der Chef der GDL, Manfred Schell, am Dienstag an. Der Konzern sprach vom größten Streik der Unternehmensgeschichte.

Die Bahn blieb trotz der erneuten Eskalation im Tarifstreit um einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Entgelt hart und legte kein neues Angebot vor. Notfahrpläne sollen in den kommenden Tagen wenigstens einen eingeschränkten Personenverkehr sichern. Über Verbindungen können sich Bahnkunden von Mittag an auf der Bahn-Internetseite oder telefonisch informieren.

Im Fernverkehr sollen zwei Drittel aller Züge fahren, vor allem die ICEs, sagte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. Bei den Intercitys werde der Verkehr ausgedünnt sein. Im Nahverkehr will die Bahn wie an bisherigen Streiktagen bis zu 50 Prozent der Züge fahren lassen - mit Lokführern, die Beamte sind oder in anderen Gewerkschaften organisiert. Die neuen Bundesländer werden von dem Streik voraussichtlich wieder stärker betroffen sein als der Westen, sagte Rausch.

Schell drohte zudem mit einer weiteren Eskalation: Wenn auch die neuen Streiks nicht zum Erfolg führten, werde der GDL-Vorstand nicht umhinkommen, dem zunehmenden Drängen der Mitglieder zu unbefristeten Streiks nachzugeben.

"Nicht von kleiner Gruppe erpressen lassen"

Der Vorstand lasse sich nicht von einer kleinen Gruppe erpressen, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Im Güterverkehr wurde ein Annahmestopp für Sendungen von und nach Ostdeutschland verhängt, wie Frachtvorstand Norbert Bensel sagte. Der Streik könnte den dortigen Frachtverkehr fast völlig lahmlegen, befürchtet die Bahn.

Gesichert werden solle aber eine Minimalversorgung mit versorgungsrelevanten Zügen im Osten sowie eine Grundversorgung im Westen. Ein Streik in Frankreich wird den Verkehr in das Nachbarland zusätzlich behindern.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx