Lufthansa Cargo Der Streit spitzt sich zu

Der Konflikt zwischen Deutschland und Russland um die Überflugrechte für Lufthansa-Frachtmaschinen verschärft sich. Moskau will die Genehmigung nur verlängern, wenn die Lufthansa den Umzug ihres Frachtdrehkreuzes zusagt.

Moskau - Das russische Verkehrsministerium will offenbar kurzfristig die Überflugrechte für Lufthansa Cargo um drei Monate bis Ende Februar 2008 verlängern. "Wir warten noch auf eine Reaktion der Bundesregierung", sagte der zuständige Abteilungsleiter im Verkehrsministerium, Wladimir Tassun. Bedingung für eine langfristige Erteilung der Überflugrechte bleibe aber, dass die Frachttochter der Deutschen Lufthansa  ihr Frachtdrehkreuz für Asien von Kasachstan nach Sibirien verlege.

Die russische Regierung hatte deswegen der Lufthansa-Frachttochter mit Beginn des Winterflugplans am 28. Oktober die Erlaubnis zum Überflug ihres Staatsgebiets nicht verlängert. Nach dem Protest der Bundesregierung wurden die Überflugrechte für Lufthansa Cargo zunächst bis zum 15. November verlängert. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte bereits am Freitag einen solchen Kompromiss verkündet. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Moskau bezeichnete dies aber als verfrüht.

Tassun erklärte den vorübergehenden Entzug der Überflugrechte mit dem angeblichen Verstoß der deutschen Seite gegen eine Vereinbarung vom Februar dieses Jahres. Bei den Luftverkehrsverhandlungen in München hätten sich die Deutschen im Abschlussprotokoll dazu verpflichtet, bereits bis Juni dieses Jahres eine Entscheidung für das russische Krasnojarsk oder Nowosibirsk als neues Asien- Frachtdrehkreuz zu treffen. Diese Zusage sei aber von der Lufthansa nicht eingehalten worden. Russland habe die Deutschen vergeblich zu einer Entscheidung gedrängt und dann Ende Oktober zum Beginn des Winterflugplans die Überflugerlaubnis nicht verlängert.

In Russland habe bereits der Wechsel des Frachtdrehkreuzes nach Astana zum Sommerflugplan 2006 für Verärgerung gesorgt, sagte Tassun. Die neue kasachische Hauptstadt sei im geltenden Luftverkehrsabkommen nicht für Zwischenstopps mit dem Ziel China, Japan oder Südkorea vorgesehen. Die Frachter der Lufthansa Cargo brauchen für Flüge nach Südostasien Landerechte für Zwischenstopps, um aufzutanken. Dazu fliegen sie seit vergangenem Jahr fast 50 Mal pro Woche den Flughafen Astana in Kasachstan an.

Deutschland kritisiert in den Verhandlungen mit Russland, dass der Flughafen Krasnojarsk bislang nicht ausreichend wettersicher sei, weshalb Verspätungen drohten. Tassun entgegnete, Russland könne die Investition von mindestens 250 Millionen Rubel (7 Millionen Euro) in Krasnojarsk erst tätigen, wenn eine definitive Zusage der Lufthansa zu einem Wechsel vorliege. Für den Fall einer baldigen Entscheidung der Lufthansa könne der Flughafen Krasnojarsk bis zum Herbst 2008 ausreichend modernisiert werden, kündigte Tassun an.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters

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