Bahn Streik im Güter- und Personenverkehr

Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu neuen Streiks im Güter- und im Personenverkehr aufgerufen. Der bundesweite Ausstand beginnt im Güterverkehr am Mittwoch um 12 Uhr, im Regional- und Fernverkehr am Donnerstag um 2 Uhr. Die Streiks in allen drei Transportbereichen sollen bis Samstagmorgen dauern.

Frankfurt am Main - Der Deutschen Bahn steht der größte Streik in ihrer Geschichte bevor. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will im Personen- und Güterverkehr zu Arbeitsniederlegungen aufrufen, sagte GDL-Chef Manfred Schell am Dienstag.

Der Streik soll im gesamten Personenverkehr von Donnerstag, 2 Uhr, bis Samstag, 2 Uhr, und im Güterverkehr bereits von Mittwoch, 12 Uhr, bis Samstag, 2 Uhr, geführt werden. Die GDL reagiere mit dem Streik darauf, dass die Deutsche Bahn "noch immer kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt" habe. Auch ein geheimes Spitzengespräch zwischen Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte am Montagnachmittag keine Bewegung in den seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt gebracht.

GDL-Chef Schell wiederholte seine Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag: "Wir fordern nichts Unmögliches. Ein eigenständiger Tarifvertrag kostet zunächst einmal nur das Papier auf dem er gedruckt wird. Das wird sich die Bahn noch leisten können. Über Lohnerhöhung und Arbeitszeitverbesserungen muss man mit uns verhandeln".

"Noch genug Geld in der Streikkasse"

"Es reicht nicht, uns abgesehen von dem Tarifabschluss der Transnet/GDBA mit rund 100 bezahlten Überstunden in 2007 und zwei Stunden bezahlter Arbeitszeiterhöhung ab 2008 abzuspeisen." Der Bahnvorstand müsse endlich aufhören, Streiks zu provozieren, verlangte Schell, zeigte sich aber kompromissbereit: "Die ganze Republik weiß, dass 31 Prozent nie zum Tragen kommen."

Er nannte als Kompromissvorschlag als Beispiel eine Erhöhung von 15 Prozent für 30.000 Beschäftigte. Das jüngste Angebot der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 600 Euro zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne. Diese Vorschläge hatte die GDL bereits mehrfach als unzureichend abgelehnt.

Die GDL hatte zuletzt in der vergangenen Woche den Güterverkehr für 42 Stunden bestreikt. Wenn auch diese neue Aktion nicht zum Erfolg führe, werde der GDL-Vorstand nicht mehr umhinkommen, dem zunehmenden Drängen der Gewerkschafts- Mitglieder zu unbefristeten Streiks nachzugeben. Schell betonte, die GDL habe noch genug Geld für weitere Arbeitskämpfe in ihrer Kasse.

Notfahrplan im Personenverkehr

Notfahrplan im Personenverkehr

Die Bahn will trotz der erneuten Streikankündigung nicht auf die GDL-Forderungen eingehen. Der Vorstand lasse sich nicht von einer kleinen Gruppe erpressen, sagte Personalvorstand Margret Suckale am Dienstag in Berlin. Der Streik werde hart, "aber ein Nachgeben vor den Forderungen der GDL würde zu einem volkswirtschaftlichen Desaster führen." Der Konzern sei auf der Basis der Vereinbarung mit den Moderatoren Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf verhandlungsbereit.

Im Personenverkehr soll ein Notfahrplan erstellt werden, der den Kunden von Mittwochmittag an zur Verfügung gestellt werden soll. Im Güterverkehr gelte ab sofort ein Annahmestopp für Transporte von und nach Ostdeutschland, hieß es.

Bahn-Logistikchef Norbert Bensel sagte, er erwarte während der Streikzeit einen "Minimalverkehr" in den neuen Ländern. Die Bahn werde versuchen, in den alten Ländern eine Grundversorgung sicherzustellen.

Bahn-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, er erwarte, dass im Fernverkehr trotz des Streiks zwei Drittel aller Züge fahren. "Im wesentlichen werden das ICE-Züge sein." Eine starke Ausdünnung werde es bei den IC-Zügen geben. Auto- und Nachtzüge sollten planmäßig verkehren. Auch er erwartete, dass durchschnittlich 50 Prozent aller Züge trotz des Streiks fahren werden, in den neuen Ländern etwa 10 bis 15 Prozent, im Westen entsprechend mehr.

Bahnstreik auch in Frankreich

Bahnstreik auch in Frankreich

Frankreich steht vor seiner größten Streikwelle seit Jahren. Ab Dienstagabend 20.00 Uhr wollen Mitarbeiter von Bahn und den Pariser Nahverkehrsbetrieben das Land lahm legen, um gegen die geplante Abschaffung ihrer Rentenprivilegien zu kämpfen. Laut B ahngesellschaft SNCF wird am Mittwoch nur einer von acht TGVs das Depot verlassen, in der Hauptstadt fährt nur jede zehnte Metro. Zahlreiche Gewerkschaften wollen den Streik bis zur kommenden Woche fortsetzen.

Arbeitsminister Xavier Bertrand rechtfertigte am Dienstag abermals die geplanten Einschnitte, von denen rund 1,6 Millionen Menschen betroffen sind: "Im Namen der sozialen Gerechtigkeit ist die Reform unumgänglich", sagte er dem Sender France 2. Andernfalls könne nicht garantiert werden, dass die Pensionen in zehn oder 15 Jahren noch gezahlt werden könnten.

Die Angestellten zahlreicher Staatsunternehmen von der Bahn bis zu Gas- und Stromversorgern müssen bislang 37,5 Jahre in die Sozialversicherungskasse einzahlen und können zum Teil bis zu zehn Jahre früher als in der Privatwirtschaft in den Ruhestand gehen. Die Regierung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Dauer der Beitragszahlungen auf 40 Jahre wie im Öffentlichen Dienst anheben.

Der Eisenbahnerstreik ist erst der Auftakt einer Serie von Aktionen gegen die Reformpolitik Sarkozys. Am 20. November legen die Mitarbeiter von Verwaltung, Schulen und Krankenhäusern ihre Arbeit nieder, um gegen geplante Gehaltskürzungen und Stellenabbau zu protestieren. Am 29. November folgen die Justizbeamten, weil die Regierung zahlreiche Gerichte in der Provinz schließen will.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dpa

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