Solarbranche Conergy-Chef Rüter tritt ab

Hans-Martin Rüter, Gründer des Solarkonzerns Conergy, tritt nach fast zehn Jahren an der Spitze ab. Vor wenigen Tagen war der Aktienkurs des Unternehmens um rund ein Drittel eingebrochen. Jetzt übernimmt Chefkontrolleur Dieter Ammer vorläufig die Geschäfte.

Hamburg - Hans-Martin Rüter, Gründer und langjähriger Chef des Solarunternehmens Conergy, gibt den Posten des Vorstandsvorsitzenden zum 15. November auf. "Conergy ist von einer Wohnzimmergründung zu einem global aufgestellten Milliardenunternehmen gewachsen", teilte der Konzern am Mittwoch mit. Conergy erhalte nun ein "international und operativ erfahrenes Führungsteam."

Erst vor zehn Tagen war die Aktie der Hamburger Firma nach einer Gewinnwarnung um bis zu 35 Prozent abgestürzt. Unmittelbar nach der Ad-hoc-Meldung zum Führungswechsel gab die Conergy-Aktie  am Mittwoch weiter leicht nach.

Die Führung des Unternehmens übernimmt nun vorläufig der Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Ammer, der früher den Tchibo-Konzern geleitet hat. Was das für Conergy bedeutet, teilte das Unternehmen gleich mit: Ab sofort werde es einen "klaren Fokus auf Ertrag und auf das Kerngeschäft" geben. Mit anderen Worten: Conergy muss abspecken, unrentable Bereiche könnten abgestoßen werden.

Conergy muss abspecken

Analysten dürften diese Nachricht mit Wohlwollen aufnehmen. Sie haben Conergy in jüngster Zeit vorgeworfen, zu breit aufgestellt zu sein - und das Kerngeschäft aus den Augen zu verlieren. So ist das Unternehmen weltweit auf fünf Kontinenten vertreten, neben dem Bereich Solar ist es mittlerweile auch auf den Feldern Windkraft und Bioenergie aktiv.

Conergy gilt damit als der einzige Ökomischkonzern der Welt. "Ob Conergy das alles gleichzeitig beherrscht, muss diskutiert werden", hatte Aufsichtsratschef Ammer vor wenigen Tagen der "Financial Times Deutschland" gesagt.

Möglicherweise stehen nun entsprechende Änderungen an. Zu den Zielen der neuen Unternehmensführung gehöre die "strategische Ausrichtung auf profitable Geschäftsbereiche", teilte Conergy mit. Außerdem strebe man ein "ertragsorientiertes Wachstum in Kerngeschäftsfeldern" und eine "Optimierung der Kostenstrukturen" an. Im Klartext: Das Unternehmen soll verschlankt werden.

Finanzspritze von 100 Millionen Euro

Finanzspritze für Europas größtes Solarunternehmen

Eine kräftige Finanzspritze soll dabei helfen. Insgesamt 100 Millionen Euro werden dem Unternehmen kurzfristig zur Verfügung gestellt, heißt es in der Conergy-Mitteilung. Einzelne Altaktionäre steuern 20 Millionen Euro bei.

Zu ihnen gehört auch Rüter, der dem Unternehmen als Anteilseigner erhalten bleibt. Weitere 50 Millionen Euro stammen von dem Industriellen Otto Happel, der neu bei Conergy einsteigt. Die restlichen 30 Millionen Euro kommen von Banken.

Conergy ist das größte Solarunternehmen Europas, im ersten Halbjahr 2007 steigerte es seinen Umsatz um 71 Prozent auf 418 Millionen Euro. An der Börse spielt Conergy im Technologieindex TecDax  eine entscheidende Rolle. Solaraktien - auch von anderen Unternehmen - haben in dem Index ein Gewicht von rund 30 Prozent.

Der Wechsel an der Unternehmensspitze kommt überraschend. Nach der Gewinnwarnung vor zehn Tagen geriet die Führung um Rüter zwar massiv in die Kritik. Andererseits war der Gründer erst vor Kurzem vom European Business Award zum "Unternehmer des Jahres" gekürt worden.

Neben Rüters Abgang gibt es weitere Wechsel in der Vorstandsetage: Schon Anfang Oktober hatte Conergy mitgeteilt, dass Finanzvorstand Heiko Piossek durch Jörg Spiekerkötter abgelöst werde. Zum stellvertretenden Vorstand wurde zudem Philip von Schmeling berufen. Er übernimmt die Aufgaben von Edmund Staassen.

wal/manager-magazin.de

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