Reichtumsstudie Männer haben doppelt so viel Geld

Detailliert wie selten zeigt eine neue Studie, wie ungleich Vermögen in Deutschland verteilt ist. Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über zwei Drittel der Rücklagen, die Hälfte der Bürger hat so gut wie gar keine. Außerdem besitzen Frauen im Durchschnitt nur halb so viel Vermögen wie Männer.

Hamburg - 5,4 Billionen Euro - in Ziffern: 5.400.000.000.000 Euro. So viel Vermögen haben die Deutschen laut einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)angehäuft. Dazu zählen Ersparnisse, Wohneigentum, Rentenansprüche und Versicherungen, zudem Sammlungen von Kunstwerken oder Briefmarken. Deutliche Unterschiede in der Vermögensverteilung gibt es zwischen Ost und West sowie Frauen und Männern.

Den größten Anteil am Vermögen machen Grund- und Immobilienbesitz aus: Sie sind 4,5 Billionen Euro wert. Wäre das Vermögen in Deutschland gleich verteilt, besäße jeder Deutsche 81.000 Euro.

Unter Berücksichtigung der ungleichen Verteilung beträgt das mittlere Vermögen nur 15.000 Euro. Zwei Drittel aller Bürger über 17 Jahren haben der Studie zufolge allerdings kein oder kaum Vermögen, sondern nutzen ihr Einkommen für den Konsum und zur Schuldentilgung.

Westdeutsche besitzen im Schnitt knapp 92.000 Euro

Westdeutsche besitzen mit durchschnittlich knapp 92.000 Euro rund 2,6 Mal so viel Vermögen wie Ostdeutsche. Ein Grund dafür ist, dass Ostdeutsche weniger Immobilien besitzen, zudem ist der Verkehrswert von Gebäuden in Ostdeutschland deutlich niedriger als in den alten Bundesländern.

Doch auch beim Geldvermögen liegen die Ostdeutschen hinter den Westdeutschen und kommen auf 60 Prozent des westdeutschen Vermögens. Die durchschnittliche Verschuldung beträgt mit 9000 Euro in den neuen Bundesländern den Zahlen nach zwar nur die Hälfte der Schulden von Westdeutschen, gemessen an ihrem Nettovermögen sind Ostdeutsche aber wiederum höher verschuldet.

Mittleres Vermögen von Frauen nur halb so hoch

Über wenig Vermögen verfügen in Deutschland auch Menschen mit Migrationshintergrund: In Ost- wie in Westdeutschland kommen sie jeweils auf weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Vermögens. In Westdeutschland allerdings verfügen in dieser Gruppe mehr Menschen über ein nennenswertes Betriebsvermögen, weshalb ihr durchschnittliches Vermögen noch über dem der einheimischen Ostdeutschen liegt.

Deutliche Unterschiede gibt es auch zwischen Männern und Frauen. Während das mittlere Vermögen von Männern bei 20.000 Euro liegt, besitzen Frauen im Schnitt nur 10.000 Euro.

Auch der Ursprung des Vermögens hat sich laut DIW in den vergangenen zehn Jahren geändert. So sei zwischen 1996 und 2006 der Anteil des Einkommens aus Unternehmen und aus bereits bestehendem Vermögen am gesamten Volkseinkommen um knapp vier Prozentpunkte auf knapp 34 Prozent gestiegen.

"Erbschaftsteuersätze zu gering"

Angesichts der ungleichen Vermögensverteilung in Deutschland mahnten die Forscher des DIW an, die am Montag angekündigte Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer zu überdenken. Bereits jetzt seien die Steuersätze im internationalen Vergleich relativ gering und die Freibeträge hoch.

Kritik üben die Forscher zudem an den ab 2009 geltenden Steuern auf Kapitalerträge. Die Abgeltungssteuer stelle insbesondere einkommenstarke Gruppen deutlich besser. Um einer weiteren Vermögenskonzentration entgegen zu wirken, schlagen die Wissenschaftler vor, Mitarbeiterbeteiligungen attraktiver zu gestalten.

manager-magazin.de mit reuters und dpa

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