Weltkonjunktur "Schlechteste Wirtschaftspolitik der Geschichte"

Die weltweiten Konjunkturaussichten sind nach Ansicht der Experten von Feri Rating & Research intakt. Feri-Berater Rainer Rau setzt das Rezessionsrisiko in den USA auf moderate 30 Prozent an. Scharfe Kritik übt Rau an der Wirtschaftspolitik der Regierung Merkel.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main – Auf die Wirtschaftspolitik in Deutschland ist Rainer Rau nicht gut zu sprechen. Während der 20. Feri Herbsttagung hält der Konjunkturexperte mit seiner Kritik an der Regierung Merkel nicht hinter dem Berg – obwohl der Berater der Bad Homburger Feri Rating & Research betont, dass er eigentlich der CDU näher steht als der SPD.

Rau macht seine Kritik an der Staatsquote fest. Sie gibt die Haushaltsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) an. Und die Quote steigt seit dem Regierungswechsel 2005 wieder deutlich, während sie unter der Regierung Schröder gesunken war.

Das sei die gewaltigste Leistung der Regierung Schröder (SPD) gewesen, ruft er aus. Dagegen sei die konzeptlose Wirtschaftspolitik der Regierung Merkel die "schlechteste" in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die fehlenden Reformen durch die Große Koalition sind ein wichtiges Element für seine insgesamt vorsichtige Beurteilung der Aussichten der deutschen Konjunktur. Rau ist sogar der Meinung, dass die Agenda 2010 mit ihrer Senkung der Steuern und der Lohnnebenkosten den "entscheidenden" Beitrag für das Wirtschaftswachstum geleistet hat. Er geht davon aus, dass das reale BIP-Wachstum in Deutschland sich in diesem Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent abschwächen wird. Im Jahr 2008 soll die Wirtschaft laut seiner Prognose um 1,9 Prozent wachsen.

Vor allem die Unsicherheit über die Entwicklung in den USA belastet die Konjunkturentwicklung auch in Deutschland. Immerhin setzt Rau die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Amerika mit 30 Prozent an. Nach Ansicht des Wirtschaftsanalysten würde es für das Wachstum der Weltwirtschaft "nachhaltige Konsequenzen" haben, wenn die USA durch die Konsequenzen der Krise am US-Markt für Hypotheken mit niedriger Bonität in eine Rezession "hineinschlittern" sollte. "China und die anderen Emerging Markets tragen nun mal nicht die Weltwirtschaft", ist er überzeugt.

"Das Herrlichste, was es gibt"

"Das Herrlichste, was es gibt"

Für den Analysten ist die Abhängigkeit von der US-Wirtschaft das zentrale Risiko für die Konjunkturentwicklung im nächsten Jahr. Ausgelöst wurde es durch die Subprime-Krise. Dennoch ist Rau überzeugt, dass die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession fällt. Drei Gründe nennt er dafür. So ist er überzeugt, dass die amerikanische Notenbank Fed ihre Politik des billigen Geldes fortführen wird.

Trotz des massiven Anstiegs des Ölpreises und der Rohstoffnotierungen sowie der Asset-Preise sieht er eine "stabile" Entwicklung der Inflation. Durch den langsamen Preisanstieg könnten sich die Industrie und die privaten Haushalte darauf einstellen, sodass die Effekte auf die Teuerung moderat blieben. "Die US-Notenbank wird sich für einen Beitrag zur Stützung der amerikanischen Konjunkturentwicklung entscheiden", meint Rau.

Zudem wende die Regierung Bush wie in früheren Krisen so auch dieses Mal das Instrument der Abwertung des Dollar an, um der Industrie bei ihrer Wettbewerbsfähigkeit im globalen Handel zu helfen. Und drittens sei im US-Wahlkampfjahr 2008 mit Steuererleichterung zu rechnen. Dabei dürfe seiner Ansicht nach nicht vergessen werden, dass die amerikanischen Konsumenten erfahrungsgemäß ihren Pessimismus durch "äußerste Ausgabefreudigkeit bekämpfen" würden. "Die Amerikaner werden nicht nur die Krise am Hypothekenmarkt überwinden, sondern auch ab Herbst 2008 wieder das BIP steigern", erwartet Rau. So geht er davon aus, dass das reale US-BIP nach einem Einbruch um 0,9 Basispunkte im Vergleich zum Vorjahr 2007 um 2 Prozent wächst und sich 2008 auf 2,3 Prozent erholt.

Rau sieht trotz des Rezessionsrisikos die globale Konjunkturwelt positiv. "Ein gutes Wachstum dank der Verschiebung der Beiträge von den Industrieländern hin zu den Emerging Markets und eine moderate Inflationsentwicklung ist das Herrlichste, was es gibt", meint er.

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