Lufthansa-Streit Unterstützung statt Umzug

Der Cargo-Chef der Lufthansa, Carsten Spohr, bittet die Bundesregierung um mehr Unterstützung. Sie soll seinem Unternehmen helfen, den Streit um die Überflugrechte mit Russland zu klären und einen Umzug des Flugdrehkreuzes nach Sibirien, wie von russischer Seite verlangt, abzuwenden.

Frankfurt am Main - Im Konflikt mit den russischen Behörden zu Überflugrechten hat der Cargo-Chef der Lufthansa , Carsten Spohr, mehr Unterstützung von der Bundesregierung gefordert.

Er erwarte, "dass sie sich in ihren weiteren Gesprächen mit der russischen Regierung mit allem Nachdruck für eine langfristige Gewährung unserer Überflugrechte einsetzt, unabhängig von der Frage, welchen Flughafen wir als Drehkreuz nach Asien anfliegen", sagte er der "Welt am Sonntag". Die von Russland verlangte Verlegung eines Transport-Drehkreuzes von Kasachstan nach Sibirien sei kurzfristig aus operationalen Gründen gar nicht machbar, "denn die in Frage kommenden Flughäfen in Sibirien verfügen nicht über die für uns notwendige technische Infrastruktur", sagte Spohr.

Sollten die Verhandlungen scheitern, dann würden Hin- und Rückflug nach Astana drei Stunden länger dauern, was pro Woche 600.000 Liter zusätzliches Kerosin koste; durch den längeren Einsatz von Crews und Flugzeugen entstünden weitere Kosten. Sogar die Streichung von Flügen wäre nicht auszuschließen. Das würde dann die Interessen der Exportnation Deutschland betreffen, sagte Spohr. Zunächst müssten die bilateralen Vereinbarungen eingehalten werden.

"Da haben sich die Russen ja jetzt bewegt. Jetzt kann man über vieles reden", sagte Spohr. Nach einer Woche heftigen Streits zwischen Moskau und Berlin dürfen Lufthansa-Frachtmaschinen wieder über russisches Territorium fliegen. Die Überflugrechte für Lufthansa Cargo seien bis zum 15. November verlängert worden, hatte das russische Verkehrsministerium am Freitag erklärt. Allerdings ist der Konflikt noch nicht grundsätzlich geklärt.

Keine russische Erpressung

Keine russische Erpressung

Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber mahnte derweil die russische Regierung zu Mäßigung. Auch nach der vorläufigen Verlängerung der Überflugrechte gelte: "Erpressen lassen wir uns von den Russen aber nicht", zitiert die "Bild"-Zeitung Huber. Die russische Seite dürfe ihre Glaubwürdigkeit als verlässlicher Geschäftspartner nicht aufs Spiel setzen. "Wir zahlen schon genug für Gas und Öl", sagte Huber.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dagegen ist zuversichtlich, dass der Streit mit Russland um Überflugrechte dauerhaft gelöst werden kann. Die bei den Gesprächen mit der russischen Seite erreichte Verlängerung der Flugrechte bis zum 15. November ermögliche es, jetzt an einer dauerhaften Lösung zu arbeiten, sagte der Außenminister am Freitag in ZDF-"heute-journal".

Wie Steinmeier weiter sagte, setzt er in dem Streit auf die Offenheit Russlands. "Auf den ersten Blick muss es im Prinzip eine Offenheit Russlands geben gegenüber den Verträgen, die wir in der Vergangenheit gehabt haben", sagte der SPD-Politiker und fügte an: "Ich hoffe, dass das durch unsere Bemühungen auch in Zukunft ungehindert der Fall sein wird."

Russland hatte der Lufthansa-Frachttochter Cargo am vergangenen Samstag mit Beginn des Winterflugplans die Nutzung seines Luftraums verboten. Bis zum 15. November dürfen die deutsche Flieger aber über Russland kreuzen.

Das Luftfahrtbundesamt seinerseits hatte daraufhin am Montag der russischen Fluglinie Aeroflot kurzzeitig die Frachtflugrechte zur Nutzung des Hunsrück-Flughafens Frankfurt-Hahn entzogen.

manager-magazin.de mit Material von ap und ddp