Merkel in Indien "Dramatische Wachstumsraten"

Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt für deutsche Investitionen in Indien – von denen Deutschland bereits profitiert hat. Das Potenzial sei "bei weitem noch nicht ausgeschöpft".

Neu Delhi – Merkel will Indien zu einem engen Partner in Asien für die wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Zusammenarbeit machen. Auf ihrer Indien-Reise betonte sie am Dienstag, dies werde nicht zu Lasten Chinas gehen, das derzeit größter Handelspartner Deutschlands in Asien ist.

"Wir wollen die strategische Partnerschaft zwischen Indien und Deutschland ausbauen, intensivieren - und das auf allen Ebenen." Merkel kündigte außerdem an, den Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe für das boomende Schwellenland in Zukunft auf den Klimaschutz zu verlagern. Bei diesem Thema müsse es einen Schulterschluss von Industrie- und Schwellenländern geben.

Deutsche Exporte nach Indien um 50 Prozent gestiegen

Merkel und Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh sagten sich gegenseitige Unterstützung in der Debatte um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu. Die Kanzlerin unterstrich, die neue Zusammenarbeit werde "keine Schmalspurstrecke". Das Potenzial sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft, die Türen stünden aber auf beiden Seiten offen.

Zwar seien die deutschen Exporte nach Indien im vorigen Jahr um mehr als 50 Prozent gestiegen und die Einfuhren aus Indien um 20 Prozent gewachsen. "Das zeigt dramatische Wachstumsraten", sagte Merkel bei einer Veranstaltung mit Wirtschaftsvertretern aus beiden Ländern. Dennoch wolle Deutschland noch mehr in die Verkehrs- und die Finanzinfrastruktur sowie in die Steigerung der Energieeffizienz investieren. Zugleich warb sie für indische Investitionen in Deutschland.

Der indische Industrieminister Kamal Nath wies auf die Konkurrenz zwischen Indien und China hin. Plagiate wie in China werde Merkel in Indien allerdings nicht finden, betonte er und spielte damit auf die Milliardeneinbußen der deutschen Wirtschaft durch Produktpiraterie in China an.

Erneuerbare Energien im Fokus

Förderung erneuerbarer Energien

Neue Akzente kündigte die Kanzlerin in der Entwicklungshilfe an. In den bevorstehenden Verhandlungen darüber werde Deutschland die Förderung neuer Technologien und erneuerbarer Energien in den Vordergrund rücken. Außerdem wolle Deutschland Hilfe zur Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen leisten.

Es gebe in Indien eine große Bereitschaft, den Kampf gegen den Klimawandel gemeinsam anzugehen, sagte Merkel. Zwar habe das aufstrebende Schwellenland mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von weniger als einer Tonne pro Einwohner eine ganz andere Ausgangslage als Deutschland mit einem Pro-Kopf-Wert von rund elf Tonnen. Spitzenvertreter der indischen Industrie sagten Merkel Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel zu und kündigten an, dabei deutsche Technologien zu nutzen.

Drittstärkste Wirtschaftsmacht in Asien

Indien ist die drittstärkste Wirtschaftsmacht Asiens hinter Japan und China. Als Handelspartner für Deutschland steht es in Asien auf Rang vier hinter Südkorea. Die deutsche Wirtschaft beklagt Mängel in der Infrastruktur, überbordende Bürokratie und das rigide Arbeitsrecht in Indien und macht diese Hürden für die Zurückhaltung deutscher Firmen bei Investitionen verantwortlich.

Als Signal für die Zusammenarbeit bei Forschung und Wissenschaft gaben Merkel und Singh den Startschuss für einen "Wissenschaftszug", der bis Juni 2008 an 56 Stationen quer durch Indien Halt machen soll. "Dies wird eine faszinierende rollende Wissenschaftsausstellung sein", sagte Merkel. "Wir wollen mit dem Zug junge Menschen begeistern für wissenschaftliche Themen." Am Mittwoch reist die Kanzlerin zusammen mit einer großen Wirtschaftsdelegation in die Finanzmetropole Bombay weiter.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Projekte in Indien: "Gigantischer Wachstumsmarkt"

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