Fall des VW-Gesetzes Wer gewinnt, wer verliert

Der Europäische Gerichtshof hat wesentliche Teile des VW-Gesetzes für ungültig erklärt. Bei Volkswagen stehen einschneidende Veränderungen an - auch Bundesregierung und Bundestag müssen tätig werden. Neun Fragen und Antworten zu den Folgen des Urteils

Wer gewinnt durch den Fall des VW-Gesetzes?

Eindeutig Porsche . Der Sportwagenbauer war im Jahr 2005 bei VW eingestiegen und ist inzwischen mit 31 Prozent Hauptaktionär. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte lautstark die Abschaffung des Gesetzes gefordert, damit Porsche seine Stimmrechte vollständig ausüben könne. Das ist jetzt möglich.

Gewinner sind aber auch die anderen VW-Aktionäre: Porsche wäre ohne Aussicht auf den Fall des VW-Gesetzes kaum in Wolfsburg eingestiegen. Seitdem hat sich der VW-Aktienkurs mehr als vervierfacht, der Aktienkurs der Porsche-Vorzugsaktien (die stimmberechtigten Stammaktien sind ausschließlich in der Hand der Familien Porsche und Piëch) hat sich verdreifacht.

Wer verliert?

Wer verliert?

Das Land Niedersachsen hatte schon im Frühjahr seine Niederlage im Machtkampf mit Porsche eingestanden. Über Jahrzehnte konnte Niedersachsen mit nur 20 Prozent der Aktien die Geschicke bei VW bestimmen, weil zu den Hauptversammlungen nur wenige Aktionäre kamen. Mit rund 100.000 Beschäftigten und fünf Werken war VW der größte Arbeitgeber in Niedersachsen. Für die Landesregierungen waren viele heimische Arbeitsplätze immer wichtiger als hohe Gewinne.

Wie geht es jetzt weiter?

Wie geht es jetzt weiter?

Die Bundesregierung hat bereits die unverzügliche Umsetzung des Luxemburger Urteils angekündigt, die kritisierten Teile des Gesetzes sollen aufgehoben werden. Angewendet werden sie schon ab sofort nicht mehr, wie das Justizministerium mitteilte. Der Bundestag muss der Aufhebung zustimmen, der Bundesrat nicht. Bei Volkswagen  muss voraussichtlich die Satzung geändert werden, in der dieselben Bestimmungen wie im Gesetz stehen. Das könnte am 24. April 2008 auf der Hauptversammlung passieren.

Wird das VW-Gesetz jetzt ganz abgeschafft?

Wird das VW-Gesetz jetzt ganz abgeschafft?

Das Berliner Justizministerium prüft, welche Bestimmungen des Gesetzes geändert werden müssen. Wenn möglich, würden nur diejenigen geändert, die vom Europäischen Gerichtshof beanstandet worden sind, erklärte das Ministerium. Der VW-Betriebsrat will einen Punkt aus dem Gesetz retten, den der EuGH nicht kritisiert hatte: ein Veto-Recht der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gegen Werksverlegungen. Außerdem fordert der Betriebsrat die Garantie von zwei Aufsichtsratsmandaten für das Land Niedersachsen.

Was bedeutet die Entscheidung für die Aktienkurse?

Was bedeutet die Entscheidung für die Aktienkurse?

Nach der Entscheidung fiel der VW-Kurs  kräftig, der Porsche-Kurs  legte weiter zu. Die weitere Entwicklung beider Werte ist schwer abzuschätzen, weil das Vorgehen von Porsche noch nicht klar ist: Kauft der Sportwagenbauer noch weitere VW-Aktien und wenn ja, wie viele zu welchem Preis?

Grundsätzlich gilt für VW, dass im Konzern noch erhebliches Potenzial für Wertsteigerungen steckt, etwa durch weitere Rationalisierungen und den laufenden Personalabbau. Außerdem eilen fast alle Konzernmarken von Rekord zu Rekord. Dennoch nennt etwa Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment die aktuelle Kurshöhe von 175 Euro "angespannt".

Wirkt sich die Entscheidung auf die 324.000 Arbeitsplätze bei VW aus?

Wirkt sich die Entscheidung auf die 324.000 Arbeitsplätze bei VW aus?

Nicht direkt. Zurzeit läuft sowieso ein Personalabbau bei der Marke Volkswagen, wo 20.000 Jobs in Deutschland abgebaut werden. Weil VW immer mehr Auslandsmärkte mit eigenen Werken vor Ort erobern will, könnte es weltweit gesehen zu mehr Arbeitsplätzen kommen. Porsche könnte aber höhere Gewinne fordern, was die teuren deutschen Arbeitsplätze gefährden würde.

Was hat Porsche jetzt vor?

Was hat Porsche jetzt vor?

Ein Porsche-Sprecher sagte zu einer möglichen Aufstockung des 31-Prozent Anteils bei Volkswagen, es gebe momentan keinen aktuellen Beschlüsse des Aufsichtsrats. Die nächste Sitzung sei am 12. November. Porsche habe eine Kreditlinie von zehn Milliarden Euro bei den Banken für eine Erhöhung des Anteils. Schon früher hatte Porsche-Chef Wiedeking erklärt, sein Unternehmen habe sich Kaufoptionen für weitere VW-Aktien gesichert.

Was ist der gemeinsame historische Kern von VW und Porsche?

Was ist der gemeinsame historische Kern von VW und Porsche?

Beide Unternehmen sind aus einem Fahrzeug hervorgegangen: dem Käfer. Der geniale Konstrukteur Ferdinand Porsche entwickelte den zuverlässigen Heckmotorwagen in den 30er Jahren im Auftrag der Nationalsozialisten, das Auto hieß Volkswagen. In Wolfsburg entstand ein gigantisches Werk, doch der Krieg stoppte die geplante Massenproduktion. Nach dem Krieg war Ferdinand Porsche entmachtet, er machte sich mit einem Konstrukteursbüro selbstständig und entwickelte in Stuttgart auf Käfer-Basis den ersten Porsche. Bis heute ist die Firma Porsche im Besitz der Nachfahren von Ferdinand Porsche.

Welche Rolle spielt die Familie Piëch in beiden Unternehmen?

Welche Rolle spielt die Familie Piëch in beiden Unternehmen?

Die Übernahme ist nach Überzeugung der meisten Firmenbeobachter von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch eingefädelt worden.

Piëch ist Enkel des legendären Ferdinand Porsche und ihm gehören große Anteile an der Firma Porsche. Von 1992 bis 2002 leitete er VW als Vorstandschef. Niemand kennt beide Unternehmen besser als er.

Kommentar: Ferdinand Piëch - unkalkulierbar und unerreicht

manager-magazin.de mit Material von ap

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