Bahn-Tarifstreit 30 Stunden Dauerstreik ab Donnerstag

Ab Donnerstag wird bei der Bahn wieder bundesweit gestreikt. Diesmal wollen die Lokführer sogar mehr als einen Tag in den Ausstand treten. Während rund 80 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen ausfallen werden, bleibt der Fernverkehr vorerst weiter verschont.

Frankfurt am Main - Mit einem Dauerstreik von 30 Stunden wollen die Lokführer im Tarifkonflikt mit der Bahn von Donnerstag an den Druck erhöhen. Die Lokführergewerkschaft GDL rief ihre Mitglieder auf, von Donnerstagmorgen 2.00 Uhr bis zum Freitagmorgen um 8.00 Uhr den Regional- und S-Bahn-Verkehr lahmzulegen.

Es ist der vierte Streik innerhalb von drei Wochen. Auf die für Dienstag und Mittwoch angekündigten Arbeitsniederlegungen werde die GDL im Interesse der "vielen betroffenen Fahrgäste" verzichten, sagte GDL-Vize Claus Weselsky am Montag in Frankfurt.

Die Bahn war der Gewerkschaft daraufhin Unberechenbarkeit vor. "Das einzig Berechenbare in diesen Tagen ist die Unberechenbarkeit der GDL", sagte Personenverkehr-Vorstand Karl-Friedrich Rausch am Montag in Frankfurt. Der Streik am Donnerstag und Freitag gehe wieder voll zu Lasten von Pendlern und Schülern. Die Bahn werde erneut einen Notfahrplan aufstellen. Damit solle gewährleistet werden, dass zumindest die Hälfte der Züge fährt. Informationen zum Ersatzfahrplan erhalten Kunden von Mittwochnachmittag an im Internet (www.bahn.de/aktuell) oder über die kostenlose Service-Hotline 08000996633.

Etwa 80 Prozent der Regionalzüge sollen ausfallen

Die GDL rechnet damit, dass wegen des Streiks etwa 80 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen ausfallen. "Der Arbeitskampf wird eine hohe Wirkung erzielen", sagte Weselsky. Sobald das sächsische Landesarbeitsgericht in Chemnitz der Gewerkschaft auch Streiks im Güter- und Fernverkehr erlaube, würden die Pendler geschont. Das Gericht will am 2. November entscheiden. Mit Blick auf die ausstehende Gerichtsentscheidung forderte die Bahn die GDL auf, bis mindestens Ende kommender Woche auf Streiks zu verzichten.

Gewerkschaft GDL kritisiert auch die Gerichte

Die GDL hatte auf ein Urteil noch in dieser Woche gehofft. Weselsky kritisierte, dass Anträge der Arbeitgeberseite von den Gerichten kurzfristiger terminiert würden als Anträge der Gewerkschaft. Bis zum 2. November bleiben die Streiks damit auf den Nahverkehr beschränkt. Weselsky äußerte sich zuversichtlich, dass diese Beschränkung des grundgesetzlich garantierten Streiks vom Gericht aufgehoben wird. Auch die Bahn legte gegen das Urteil Widerspruch ein. Sie will ein Streikverbot auch für den Nahverkehr erreichen.

Weselsky kritisierte die "Hinhaltetaktik" der Bahn, der Gewerkschaft kein neues Angebot vorzulegen. "Wir erwarten jeden Tag, dass sich die Bahn in Richtung GDL bewegt", sagte der Gewerkschafter. Sollte die Bahn vor Donnerstag ein substanziell verbessertes Angebot vorlegen, werde die Gewerkschaft ihren Streikaufruf überprüfen. Die Bahn forderte die GDL erneut zu Verhandlungen auf. "Klar ist: Das Gericht kann Rechtssicherheit herstellen, der Tarifkonflikt ist aber nur am Verhandlungstisch zu lösen", erklärte Rausch.

Zwei Kündigungen und zahlreiche Abmahnungen

Die GDL lehnt Verhandlungen auf Basis des letzten Angebots ab. Dieses sieht ab 2008 Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro für 2007 vor, wie es die Bahn mit den konkurrierenden Bahngewerkschaften Transnet/GDBA vereinbart hat. Lokführer sollen für die Abgeltung bereits geleisteter Überstunden einmalig 1400 Euro erhalten und bei Mehrarbeit eine Entgelterhöhung von zehn Prozent. Die GDL fordert eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und spürbare Einkommensverbesserungen.

Im Zusammenhang mit den Streiks der vergangenen Wochen hat die Bahn zwei Lokführern gekündigt und zahlreiche Abmahnungen ausgesprochen. Wie ein Bahnsprecher am Montag sagte, habe es zwei fristlose Kündigungen wegen Verstoßes gegen Sicherheitsbestimmungen gegeben. Außerdem seien bundesweit Abmahnungen "im niedrigen zweistelligen Bereich" ausgesprochen worden. GDL-Vize Weselsky sprach von mehr als 20 Abmahnungen sowie einigen Suspendierungen. Er kritisierte, dass der Bahnvorstand "unverhältnismäßig Druck" auf die GDL-Mitglieder ausübe.

manager-magazin.de mit Material von dpa