Kreditkrise Commerzbank härter getroffen

Die Kreditkrise hat die Commerzbank stärker getroffen als erwartet. Die veranschlagten Abschreibungen von 80 Millionen Euro werden nicht ausreichen, sagt Vorstandschef Klaus-Peter Müller. Die Aktie verliert in der Spitze rund 6 Prozent. Der Börsenwert des Konzerns vermindert sich zeitweilig um rund eine Milliarde Euro.

Frankfurt am Main - Die Commerzbank  ist härter von der US-Immobilienkrise betroffen als bisher angenommen. Bank-Vorstandschef Peter Müller sagte der "Financial Times Deutschland, dass die Abschreibungen von 80 Millionen Euro auf dem Informationsstand von Anfang Juli beruhten. "Das wird nicht reichen", sagte er. Müller sagte weiter, der Finanzsektor trage eine Mitschuld an der Krise. "Die große Lehre der Krise ist, dass sich keiner nur auf andere verlassen sollte, weder auf Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfer oder auf die Aufsicht."

Das Entscheidende sei das eigene Risikomanagement. "Keiner sollte deshalb ein Produkt kaufen, das er nicht versteht." Auch im "Handelsblatt" schloss er eine "etwas" höhere Belastung infolge des Engagements am Markt für schlechter besicherte US-Hypotheken (Subprimes) nicht aus.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits vor einem Monat aus Finanzkreisen erfahren, dass die Wertberichtigungen für das 1,2 Milliarden Euro schwere Subprime-Engagement im dritten Quartal wohl höher ausfallen dürften. Die Analysten von M.M. Warburg sprachen daher von wenig überraschenden Äußerungen Müllers. Sie erwarten bei der Commerzbank Subprime-Einbußen von rund 150 Millionen Euro.

Prognosen der Bank nicht betroffen

Der Chef der Commerzbank  stellte aber klar, dass die Prognosen seines Instituts auch von einer massiveren Subprime-Belastung nicht betroffen seien. "Was notwendig ist, werden wir tun, und wir können es uns auch leisten", sagte er der "FTD". Gegenüber dem "Handelsblatt" bekräftigte er das Ziel einer Eigenkapitalrendite von mehr als 12 Prozent im laufenden Jahr. "Das Geschäft im dritten Quartal lief im Rahmen der Erwartungen, wir liegen im Gesamtjahr im Plan", betonte er. Es gebe keinen Grund für eine Prognoseänderung.

Einen Überblick hat die Commerzbank noch nicht

Diese klare Aussage überrascht insofern ein wenig, als Müller wiederum der "Wirtschaftswoche" (Ausgabe vom 22. Oktober) gegenüber erklärte, auch die Commerzbank  habe bislang nur einen groben Überblick. Man müsse jede einzelne Tranche zurückverfolgen und bei Immobilienkrediten ermitteln, ob die betreffenden Häuser in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit lägen. Bis zum Jahresabschluss werde die Commerzbank über die Risiken Bescheid wissen. "30 bis 40 Mitarbeiter durchforsten bei uns gerade rund 1000 Tranchen, und das, obwohl wir mit einem möglichen Risiko von 1,2 Milliarden Euro noch vergleichsweise wenig betroffen sind", sagte Müller.

Börsenwert vermindert sich um rund eine Milliarde Euro

Die Investoren zeigten sich von Müllers Aussagen verunsichert und drückten mit Verkäufen die Aktie in der Spitze um 5 Prozent in die Verlustzone. Zeitweise reduzierte sich die Marktkapitalisierung der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands um rund eine Milliarde Euro. Gegen Mittag lag das Papier noch mit rund 3,80 Prozent auf 29,06 Euro in der Verlustzone und zählte damit zu den schwächsten Werten im Dax.

Experten begründeten die starke Reaktion mit jüngst aufgekommenen Hoffnungen der Anleger auf ein baldiges Ende der Krise. "Das war nun wie ein Nackenschlag", sagte Bankanalyst Konrad Becker von Merck Fink. Über die genaue Höhe der Belastungen für die Commerzbank könne man nur spekulieren. "Das Gesamtengagement ist mit 1,2 Milliarden Euro aber überschaubar", betonte er.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank  hatte Anfang Oktober allein die Belastung im dritten Quartal infolge der Krise an den Finanzmärkten auf 2,2 Milliarden Euro beziffert. Dies wird den Prognosen des Instituts zufolge den Vorsteuergewinn um 30 Prozent drücken.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen