Strompreise Deutschland unter Wechselstrom

Deutschlands große Energieversorger setzen mit ihren Preiserhöhungen viel aufs Spiel. 41 Prozent der Deutschen wollen einer Emnid-Umfrage zufolge ihren Versorger wechseln. Verbraucher können bei einem Wechsel bis zu 400 Euro pro Jahr sparen - deutlich mehr als durch die angekündigte Senkung der Sozialbeiträge.

Hamburg - Noch ist die Zahl der Wechselwilligen geringer als die der treuen Kunden. 53 Prozent der Bundesbürger wollen auch bei steigenden Preisen für Strom und Gas ihrem bisherigen Lieferanten treu bleiben. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts TNS Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag".

In der Altersgruppe bis 29 Jahre ist die Wechselbereitschaft aber besonders groß. Hier überwiegt mit 51 Prozent die Zahl der Wechselwilligen. Nur 35 Prozent der jungen Kunden wollen bei ihrem bisherigen Anbieter bleiben.

Im Verlauf des Jahres müssen sich Millionen Verbraucher auf weitere Strompreiserhöhungen einstellen. Allein in den kommenden Wochen würden mehr als 300 Versorger Preiserhöhungen vornehmen, prognostiziert das unabhängige Verbraucherportal Verivox.

Dabei gibt es zwischen den Angeboten der örtlichen Versorger teilweise beträchtliche Preisunterschiede. Den günstigsten Grundversorgungstarif - bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden - bieten die Stadtwerke Gronau mit 673 Euro pro Jahr. Die Stadtwerke Wolfen sind mit 1035 Euro um 53,8 Prozent teurer.

Beträchtliche Preisunterschiede

Kunden zahlen laut Verivox für die Grundversorgung bundesweit 829 Euro. Durch den Wechsel des Stromanbieters könne die durchschnittliche Kleinfamilie rund 190 Euro pro Jahr einsparen, rechnet Verivox vor. Das maximale Sparpotential liege bei fast 400 Euro.

Auch in der Politik wächst der Ärger über das Agieren der Versorger. Der brandenburgische CDU-Wirtschaftspolitiker Detlef Karney warnte am Wochenende, die angekündigten Strompreiserhöhungen brächten erhebliche Risiken für die kleinen und mittleren Unternehmen. Viele Betriebe hätten bereits jetzt enorme Schwierigkeiten durch die hohen Energiekosten, sagte Karney. Die angekündigten Erhöhungen würden sie deshalb nur schwer verkraften.

Die Wirtschaftsminister der Länder werden sich bei ihrem nächsten Zusammentreffen mit den angekündigten Strompreiserhöhungen beschäftigen. Bei der Wirtschaftsministerkonferenz am 19. und 20. November in Darmstadt solle eine Verständigung auf Länderebene über das weitere Vorgehen erzielt werden, teilte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) in Potsdam mit. Der Strommarkt sei ein "deutschlandweites Thema". "Die Länder dürfen hier nicht für sich alleine stehen - wir brauchen eine konzertierte Aktion gemeinsam mit dem Bund."

Staat als Preistreiber?

Der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, verwies derweil in der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag auf den hohen Steueranteil beim Strompreis. "Der Staat ist der wesentliche Preistreiber", betonte der CDU-Politiker. Über 40 Prozent des Preises entfielen auf Energiesteuern. "Die Abgaben müssen unbedingt gesenkt werden." Ähnlich hatte kürzlich auch Eon-Chef Bernotat argumentiert.

Schlarmann plädierte jedoch zugleich auch für mehr Wettbewerb in der Branche. Der Staat müsse entweder "die Konzerne zerschlagen, also Netz und Energieproduktion trennen" oder es mehr lokalen Anbietern ermöglichen, über einen freien Netzzugang zu fairen Preisen Marktanteile zu erobern.

manager-magazin.de/itz/ddp/dpa

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