Kurdenkonflikt Gefechte an türkisch-irakischer Grenze

Kurdische Rebellen der PKK haben im Irak nach eigenen Angaben zwölf türkische Soldaten getötet und Geiseln genommen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan bestellt Generäle zum Krisentreffen ein. Es droht ein Einsatz türkischer Bodentruppen gegen die PKK im Irak.

Ankara - Erstmals seit der Zustimmung des türkischen Parlaments zu einem Militäreinsatz gegen kurdische Rebellen im Irak haben Aufständische zwölf türkische Soldaten getötet. 23 Mitglieder der Separatistenorganisation PKK seien bei den Gefechten am Sonntag an der Grenze zu dem Golfstaat ums Leben gekommen, teilte der Generalstab der Türkei mit.

Ministerpräsident Tayyip Erdogan berief daraufhin ein Krisentreffen mit Politikern und Militärs ein, die eine grenzüberschreitende Offensive gegen die PKK autorisieren könnten.

Die Rebellen hätten zudem "viele Geiseln" unter türkischen Soldaten genommen, meldete die PKK-freundliche Nachrichtenagentur Firat. Ein Mensch wurde getötet, als sein Minibus über eine Landmine fuhr.

Mindestens acht Personen wurden bei der Explosion verletzt. Es war zunächst unklar, ob die Opfer Zivilisten oder Militärs waren.

Krisentreffen am Abend

"Wir sind sehr wütend. Unser Parlament hat uns die Vollmacht gegeben zu handeln, und in diesem Rahmen werden wir alles tun, was zu tun ist", sagte Erdogan in Istanbul nach der Stimmabgabe bei einem Verfassungsreferendum. Präsident Abdullah Gül werde die Krisensitzung am Abend (19.00 MESZ) eröffnen.

Schon am Morgen griff das türkische Militär nach kurdischen Angaben das Grenzgebiet im Nordirak an. Die Artillerie habe elf Regionen beschossen, sagte ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte in der Stadt Erbil. Es habe keine Opfer gegeben.

Zwar war es bereits wiederholt zu vereinzelten türkischen Einsätzen im Grenzgebiet gekommen. Das Thema hat mit der Autorisierung von größeren Militäroperationen im Irak durch das Parlament in Ankara am Mittwoch aber neue Brisanz erhalten. Die Türkei wirft den Regierungen in Washington und Bagdad vor, nicht entschlossen genug gegen die etwa 3000 Rebellen der PKK vorzugehen, die die Grenzregion als Rückzugsgebiet nutzen.

Die türkische Regierung, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als terroristische Gruppe ein. Seit Beginn ihres bewaffneten Kampfes im Südosten der Türkei für einen eigenen Staat im Jahr 1984 ist die Organisation der Regierung in Ankara zufolge für den Tod von mehr als 30.000 Menschen verantwortlich.

manager-magazin.de mit Material von reuters