Bahnstreik Strafanzeigen gegen Mehdorn

Ab Montag drohen mehrtägige Streiks bei der Bahn - nun greifen verärgerte Kunden zu ungewöhnlichen Mitteln. Bundesweit sind Strafanzeigen gegen Bahnchef Hartmut Mehdorn und weitere Konzernverantwortliche gestellt worden. Ihnen wird unter anderem Nötigung vorgeworfen.

Hamburg - Der monatelange Streit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL beschäftigt jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Die Strafanzeigen werden in Berlin bei der dortigen Staatsanwaltschaft gesammelt und bearbeitet, weil die Bahn dort ihren Hauptsitz hat.

Oberstaatsanwalt Karlheinz Dalheimer sagte der "Bild am Sonntag": "Uns liegen rund zwölf Strafanzeigen von Antragstellern aus dem gesamten Bundesgebiet gegen Hartmut Mehdorn und andere Mitglieder des Bahnvorstands vor. Dabei geht es auch um den Vorwurf der Nötigung und Schadensersatzforderungen."

So seien einige Angestellte durch den Bahnstreik zu spät zur Arbeit gekommen und die Arbeitgeber hätten ihnen die Fehlstunden vom Lohn abgezogen. "Wir prüfen bei jeder Anzeige den Sachverhalt", sagte Dahlheimer. Die Bahn wollte der Zeitung zufolge keine Stellungnahme abgeben.

Streiks ab Montag "sehr wahrscheinlich"

In der kommenden Woche müssen sich Bahnkunden wieder auf Lokführerstreiks einstellen. Wann genau wieder Nahverkehrszüge stillstehen werden, will die GDL jeweils am Tag vorher bekanntgeben. Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky erklärte, die Wahrscheinlichkeit, dass es Montag, Dienstag und Mittwoch Streiks geben werde, sei sehr hoch. Es sei aber kein dreitägiger Streik geplant, sagte Weselsky später.

Die Bahn forderte die Gewerkschaft am Samstag erneut zu weiteren Verhandlungen auf. "Die GDL-Funktionäre müssen endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben", erklärte Unternehmenssprecher Oliver Schumacher. Der Sprecher nannte das zuletzt von der Bahn vorgelegte und von der GDL abgelehnte Angebot gut und fair. Doch die Gewerkschaft sage immer nur nein, rufe nach der Politik und scheine sich nicht um die Tarifautonomie zu kümmern, erklärte Schumacher.

Laut Weselsky will die GDL jeweils am Nachmittag des Vortages über den nächsten Streik informieren. Sollte es also am Montag Aktionen geben, würden sie am Sonntag, 16 Uhr, bekannt gegeben, wie der Funktionär dem Sender n-tv sagte. Die GDL hält laut ihrem stellvertretenden Vorsitzenden weiter an ihrer Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag fest und sei bei der Höhe der Entgelterhöhung verhandlungsbereit.

Laut Weselsky sind auch Streiks im Güter- und Fernverkehr im Fall eines entsprechenden Gerichtsbeschlusses demnächst geplant. In der kommenden Woche erwarte die GDL, dass das Arbeitsgericht Chemnitz über die Berufung seiner Organisation zu dem Streikverbot im Fern- und Güterverkehr verhandelt. Am Montag werde dazu die Terminierung erwartet.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa