Finanzministerium Berliner Optimismus

Die Finanzmarktkrise nimmt nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums bisher keinen gravierenden Einfluss auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung. Die Wachstumsprognose der Regierung von 2,3 Prozent im Gesamtjahr sei gut abgesichert.

Berlin - Die jüngsten Turbulenzen an den Kredit- und Finanzmärkten hätten die Realwirtschaft bislang nicht belastet, heißt es im dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums für Oktober. Auch die weltwirtschaftliche Entwicklung erweise sich bislang als robust.

Insgesamt sei im dritten Quartal wieder mit einer stärkereren wirtschaftlichen Dynamik zu rechnen als im Frühjahr. Die Wachstumsprognose der Regierung von 2,3 Prozent im Gesamtjahr sei "gut abgesichert".

Die Krise am US-Immobilienmarkt und die damit einhergehenden Verwerfungen an den Finanzmärkten hatten Befürchtungen genährt, die Banken könnten der Wirtschaft den Kredithahn zudrehen und damit das Wirtschaftswachstum dämpfen. Eine Kreditklemme ist auch nach Meinung anderer Experten aber bisher nicht in Sicht.

Das Ministerium zeichnete insgesamt ein zuversichtliches Bild für die Konjunktur. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit und die gestiegenen Löhne schlügen sich zudem in den Steuereinnahmen nieder. So stiegen die Lohnsteuereinnahmen im September erneut kräftig um 7,9 Prozent an. Insgesamt legten die Steuereinnahmen von Bund und Ländern zum Vorjahr um 10,3 Prozent zu. Für die ersten neun Monate ergibt sich eine Zuwachsrate von 12,3 Prozent.

Die Mehrwertsteuereinnahmen legten im September wegen der Steuererhöhung zum Jahresbeginn zwar um 17,2 Prozent zu, blieben damit aber hinter den Erwartungen zurück. "Dies könnte mit der verhaltenen Entwicklung der Konsumausgaben der privaten Haushalte zusammenhängen", hieß es im Monatsbericht.

Der Konsum bleibe noch immer das Sorgenkind des Aufschwungs. Er stagniert nahezu seit Ende 2001, was auch die Umsätze des Einzelhandels belegen. Der Abbau der Arbeitslosigkeit und damit der Anstieg der Lohnsumme könnten dem Ministerium zufolge aber im Jahresverlauf dem privaten Konsum auf die Beine helfen.

Die Aussichten für die Industrieproduktion sieht das Ministerium günstig, "allerdings könnte die Dynamik etwas nachlassen". Treibende Kraft sei die Nachfrage nach Investitionsgütern. Ein Grund dafür könnte die zum Ende des Jahres auslaufende degressive Abschreibung sein, weshalb Investitionen vorgezogen würden. Insgesamt rechnen die Beamten damit, dass die Binnenwirtschaft im Jahresverlauf stärker wird.

manager-magazin.de mit Material von reuters