Eon-Chef "Staat ist der einzige Preistreiber"

Eon-Chef Wulf Bernotat rechnet mit weiteren Fusionen auf den Energiemärkten und beklagt die "politischen Deals". Angesichts der von Eon angekündigten Preiserhöhungen verweist Bernotat ungerührt auf die Politik: Ohne Staatsanteil wären die Kosten für Strom und Gas gesunken.

Düsseldorf - "Die industrielle Logik spricht nach wie vor für den Zusammenschluss europäischer Energieunternehmen", sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energiekonzerns in Düsseldorf. "Es wird weitere Konsolidierungesschritte geben", fügte er hinzu.

Der Konsolidierungsprozess in Europa dürfe aber nicht von den Regierungen gesteuert werden, sagte Bernotat. Er beklagte, dass sich in etlichen europäischen Ländern der Staat wieder im Energiegeschäft zurückmelde. "Der europäische Energiemarkt wird heute von staatlich geführten oder beeinflussten Unternehmen dominiert. Politische Deals wohin man schaut." So sei Eon durch eine Absprache zwischen den Regierungen von Spanien und Italien an der Übernahme der Spanischen Endesa gehindert worden.

Die Europäische Kommission müsse deshalb die Privatisierung wieder auf die Agenda der europäischen Energiepolitik setzen, forderte Bernotat. Stattdessen bemühe sich darum, Netze und Produktion bei der Stromerzeugung zu trennen.

Über die Abtrennung der Netze hinaus enthielten die Vorschläge der Kommission weiteren ordnungspolitischen Sprengstoff. So wolle die Kommission bei Strom und Gas Produktion und Großhandel umfassend regulieren - bis hin zur Zwangsabgabe von Kraftwerkskapazität. Das sei "nichts anderes als Planwirtschaft".

Blick nach Frankreich

Eon wolle dennoch den europäischen Wettbewerb forcieren. "In Deutschland sehen wir leider kaum noch Wachstumsmöglichkeiten, deshalb müssen wir uns forciert auf Europa ausrichten", sagte Bernotat. Dabei werde Eon auch seine Position in Frankreich ausbauen.

Der entscheidende Hebel, um den Wettbewerb in Europa voranzubringen, sei der grenzüberschreitende Energiehandel. Eon werde dehalb die Netzverbindungen zu den Nachbarländern ausbauen.

"Staat ist der einzige Preistreiber"

Bernotat machte außerdem den Staat für die hohen Strompreise verantwortlich. Es gebe "nur einen Preistreiber im deutschen Strommarkt: den Staat", sagte der Vorstandsvorsitzende. Der Preisanstieg für Haushaltskunden seit dem Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 gehe voll auf das Konto der von den Politikern beschlossenen Steuern und Abgaben.

Ohne den Staatsanteil wären die Strompreise trotz steigender Kosten für Öl, Gas und Kohle gesunken, sagte Bernotat. Deshalb sei es unredlich, die zu Recht aufgebrachten Verbraucher an die Energiewirtschaft zu verweisen.

Eon hatte am Montag angekündigt, die Strompreise um bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen, der Gaspreis soll um bis zu 8,8 Prozent steigen. Eon beliefert bundesweit etwa sieben Millionen Haushalte mit Strom und 1,2 Millionen Haushalte mit Gas. Politiker und Verbraucherschützer reagierten auf die Ankündigung empört und forderten die Kunden auf, zu preiswerteren Energielieferanten zu wechseln. Nordrhein-Westfalen will die Preiserhöhungen kartellrechtlich prüfen lassen.

Bernotat wies auch Vorwürfe zurück, sein Unternehmen verschaffe sich überhöhte Profite auf Kosten der Verbraucher. Eon mache mit einer Rendite von 13 Prozent "keine exorbitanten Gewinne". Eine Kapitalrendite in dieser Höhe sei "absolut angemessen".

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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