Studie Milliardenschäden durch Kriminalität

Fast jedes zweite deutsche Unternehmen ist Opfer von Wirtschaftskriminalität. Dadurch entstehen den Betrieben einer Studie zufolge jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Besonders gefährdet sind Unternehmen, die in Schwellenländern investieren.

Frankfurt - Der Gesamtschaden, der den Firmen durch weltweit aufgedeckte Fälle von Unterschlagung, Wirtschaftsspionage oder Korruption entsteht, betrage jährlich gut sechs Milliarden Euro, sagte der Strafrechtler Professor Kai Bussmann am Montag in Frankfurt bei der Vorstellung einer Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC).

Die tatsächliche Schadensumme liegt aber offenbar höher. "Das Dunkelfeld dürfte sehr viel größer sein. Man könnte einen Schaden von sieben bis acht Milliarden Euro schätzen", sagte Bussmann. Nach Angaben des Lehrstuhlinhabers für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Halle-Wittenberg wird jede dritte entdeckte Straftat nicht angezeigt. Bei Korruption schalteten deutsche Unternehmen nur bei rund jedem zweiten Fall die Staatsanwaltschaft ein.

Ein wichtiger Grund dafür sei offenbar die Sorge um den Ruf des Unternehmens, erklärte Bussmann. Rund die Hälfte der Täter stamme aus dem Unternehmen selbst, davon etwa ein Fünftel aus dem gehobenen Management. Die andere Hälfte der Straftaten entfalle auf Kunden, Lieferanten oder Geschäftspartner.

Nachholbedarf bei Compliance-Programmen

Der Studie zufolge ist das Risiko in Staaten wie China, Indien, Brasilien und der Türkei besonders hoch, was von deutschen Unternehmen bei Investitionen in diesen Ländern vergleichsweise selten berücksichtigt wird. In den sieben größten Schwellenländern müsse jedes Unternehmen im Schnitt einen durch Wirtschaftskriminalität verursachten Schaden von rund 4,4 Millionen Euro verbuchen. In den übrigen Staaten seien es durchschnittlich nur rund 1,6 Millionen Euro.

Bei der Prävention von Wirtschaftskriminalität sehen die Wirtschaftsprüfer von PwC bei deutschen Unternehmen auch im internationalen Vergleich noch Nachholbedarf. Zwar verfügten 61 Prozent der befragten Firmen bereits über Ethik-Richtlinien, aber nur 37 Prozent überwachten diese auch durch ein so genanntes Compliance-Programm. In Nordamerika läge dieser Wert weit höher.

"Deutsche Unternehmen könnten die Schäden durch Kriminalität deutlich senken, wenn sie ihre Vorbehalte gegenüber Präventionsprogrammen entsprechend verändern würden", sagte Claudia Nestler von PwC. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft befragte für die Studie weltweit 5428 Unternehmen, davon 1166 in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von reuters