Bahn-Streik Neues Angebot

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn will seinen Lokomotivlenkern heute ein neues Tarifangebot unterbreiten. Davon hängt offenbar ab, ob die Lokführer frühestens übermorgen erneut streiken werden. Vieles deutet im Vorfeld daraufhin.

Berlin - Die Bahn hat offenbar ein neues Tarifangebot für ihre Lokführer erarbeitet, dass ihnen heute Nachmittag unterbreiten werden soll. Sollte die Offerte nicht zur Zufriedenheit der der Lokführer-Gewerkschaft (GDL) ausfallen, drohen die Gewerkschafter frühestens für Mittwoch mit neuen Streiks.

Beide Seiten wiesen zugleich Gerüchte zurück, nach denen es bereits eine Verständigung zwischen den Kontrahenten gebe. "Die Deutsche Bahn weiß nichts von einer Einigung im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer", sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher. Das Angebot werde der Lokführer-Gewerkschaft heute auf den Tisch gelegt. Auf dieser Basis erwarte die Bahn "eine zügige Aufnahme von Tarifverhandlungen, um den Konflikt konstruktiv zu lösen. Dabei ist klar: Die Tarifeinheit bei der Deutschen Bahn steht nicht zur Disposition."

GDL-Chef Manfred Schell bestätigte im Hessischen Rundfunk: "Ich kenne keinen Kompromiss, die Sachlage ist völlig unverändert. Wir erwarten am Montag das Angebot des Arbeitgebers und darüber hinaus ist mir gar nichts bekannt." Schell betonte, es werde allerhöchste Zeit, dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bereit sei, mit der GDL über einen eigenständigen Tarifvertrag zu verhandeln. "Wenn der gute Wille da ist - eine ganz kleine Übung." Wenn es allerdings weiter keine Einigung gebe, habe man "keine andere Möglichkeit, als wieder zum Arbeitskampf zu greifen",sagte Schell. Er fordere die Bahn auf, Deutschland nicht länger auf eine Bewährungsprobe zu stellen.

"Der Spiegel" hatte von einem Kompromiss im Tarifkonflikt berichtet. Die GDL solle einen eigenen Vertrag bekommen, der allerdings zu mehr als 90 Prozent identisch mit dem Tarifvertrag der beiden anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA sei, aber zusätzlich lokführerspezifische Punkte kläre. Darauf hätten sich am vergangenen Donnerstag Präsidiumsmitglieder des Aufsichtsrats, Vertreter der Bahn und der GDL bei ihrem Spitzengespräch geeinigt. Schell erwartet von der Bahn "einen eigenständigen Tarifvertrag". Dann könne es eine schnelle Einigung geben. Sollte sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aber "stur stellen", werde der Arbeitskampf fortgesetzt.

Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte dem Fernsehsender n-tv, er gehe davon aus, dass die GDL spätestens am Montagabend ein Angebot erhalten, da einen eigenständigen Tarifvertrag, ein Lohnangebot und Arbeitszeitverbesserung enthalte, "wie wir das die ganzen Monate über gefordert haben."

Nach dem Ende des eintägigen Lokführerstreiks im S-Bahn- und Regionalverkehr habe es am Samstag "nur in sehr wenigen Einzelfällen" Störungen gegeben, teilte die Bahn mit. Die Züge führen nach Plan, die Zahl der Reisenden sei wieder auf gewohntem Niveau. Der Streik hatte am Freitag den Regionalverkehr in vielen Teilen Deutschlands lahmgelegt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters