RWE Großmanns Strategieschwenk

Der neue Vorstandschef des Versorgers RWE, Jürgen Großmann, hat einen Strategiewechsel angekündigt. Auch größere Übernahmen schließt Großmann trotz der jüngsten Kreditkrise nicht aus und unterscheidet sich damit von seinem Vorgänger.

London - Europa biete gute Chancen für Wachstum, daher schließe er Akquisitionen nicht aus, sagte der seit Monatsanfang amtierende Manager am Donnerstag während einer Investorenkonferenz in London. "RWE hat die finanziellen Mittel dazu." Er verwies allerdings darauf, dass sich Akquisitionen rechnen müssten und RWE daher keine überzogenen Preise bezahlen werde.

Großmanns Vorgänger Harry Roels hatte Großakquisitionen ausgeschlossen und dies mit aus seiner Sicht zu hohen Preisen für Energiekonzerne begründet.

Mit seiner Offenheit für Zukäufe reagiert Großmann auf die Konsolidierung der europäischen Versorgerlandschaft. Er beteuerte, dass der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands seine Unabhängigkeit wahren wolle.

Interesse an Russland

Als Wachstumsregion bezeichnete der Unternehmer Zentral- und Südosteuropa. Dort werde die Gesellschaft zusätzlich in organisches Wachstum investieren. Interesse bekundete der neue RWE-Chef auch am russischen Energiemarkt. "Ich würde ein Investition im europäischen Part Russlands nicht ausschließen", sagte Großmann bei seinem ersten Auftritt als RWE-Chef. In dem Land stehen derzeit eine Reihe von Stromproduzenten zum Verkauf.

American Water: Börsengang noch in diesem Jahr

Ungeachtet möglicher Akquisitionen bekräftigte Großmann die Dividendenpolitik seines Vorgängers. Diese werde fortgeführt, sagte er. Zudem plane der Konzern weiterhin den Börsengang der amerikanischen Wassertochter American Water in diesem Jahr. An dem Erlös will der Essener Konzern seine Aktionäre beteiligen.

Mit der Trennung von American Water schließt RWE die Fokussierung auf das europäische Strom- und Gasgeschäft ab. In den vergangenen Monaten verkauften die Gesellschaft bereits das britische Wassergeschäft sowie Randbereiche wie die Umweltsparte.

Die Aktie von RWE  legte am Donnerstag in einem freundlichen Gesamtmarkt deutlich zu und näherte sich dem Ende 2006 erreichten Rekordhoch von 90,81 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters