Kreditkrise Versuch eines Fazits

EU-Politiker beraten über Konsequenzen und Lehren aus der Kreditkrise. Zum Beispiel die Ratingagenturen müssten sich ändern. Aber auch China bleibt nicht ungeschoren.

Luxemburg - Die EU-Finanzminister beraten in Luxemburg über Konsequenzen aus der aktuellen Bankenkrise. "Das Wachstum geht weiter, aber die Risiken nehmen zu", warnte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia am Dienstagmorgen. Bei dem Treffen wollten die Finanzminister die EU-Kommission auffordern zu prüfen, wie die Arbeit von Rating-Agenturen besser überwacht werde könnte.

Ratingagenturen wie Standard & Poor's oder Moody's sehen sich angesichts der durch die Krise auf dem US-Immobilienmarkt ausgelösten weltweiten Turbulenzen dem Vorwurf ausgesetzt, Kreditrisiken zu optimistisch bewertet zu haben. Um das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen, soll nun die Einführung von Kontrollmechanismen geprüft werden. Angesichts der zunehmenden Besorgnis der europäischen Exportwirtschaft über den starken Euro betonten die Finanzminister zudem die Bedeutung eines verlässlichen Wechselkurses zum Dollar und anderen Währungen.

"Wir stellen mit großer Aufmerksamkeit fest, dass die US-Behörden bekräftigt haben, dass ein starker Dollar im Interesse der amerikanischen Wirtschaft ist", erklärten am späten Montagabend die 13 Finanzminister der Eurogruppe. Besonders Frankreich und Italien, die bei der Ausfuhr von Produkten in die USA zunehmende Schwierigkeiten haben, hatten vor dem Treffen auf eine klare Botschaft an Washington gedrungen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und seine Kollegen aus Österreich und den Niederlanden mahnten am Montag jedoch zur Gelassenheit, so dass am Ende nur eine sehr zurückhaltende Formulierung zu Stande kam.

Deutlicher äußerte sich die Eurogruppe zur chinesischen Währungspolitik. "Bei Schwellenländern mit großen und wachsenden Handelsüberschüssen, besonders China, ist es wünschenswert, dass die Wechselkurse die nötigen Anpassungen ermöglichen", erklärten die Finanzminister und forderten damit indirekt eine Aufwertung des Yuan. Europa werde die jüngsten währungspolitischen Entwicklungen auch beim Treffen der Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) in Washington ansprechen, kündigte die Eurogruppe an.

manager-magazin.de mit Material von reuters