Industrie Ende der Auftragsflaute

Die deutsche Industrie verzeichnet nach einer zwischenzeitlichen Flaute wieder steigende Auftragszahlen. Allerdings fiel das Plus geringer aus als erwartet. Und die wiedererwachte Dynamik könnte schon bald wieder abebben.

Berlin - Nach einem kurzen Sommerloch hat die Industrie im August wegen der starken Auslandsnachfrage wieder mehr Aufträge eingesammelt. Bei den Unternehmen gingen preis- und saisonbereinigt 1,2 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte.

"Nach dem kräftigen Rückgang der Auftragseingänge im vorangegangenen Monat hat sich die Bestelltätigkeit im August wieder spürbar belebt", hieß es. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Dynamik in den kommenden Monaten wegen des starken Euro und der schwächeren Weltwirtschaft nachlassen wird.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 2,2 Prozent gerechnet. Im Juli waren die Aufträge mit minus 6,1 Prozent allerdings etwas geringer als zunächst angenommen eingebrochen. Die Aufträge aus dem Ausland legten kräftig um 2,4 Prozent zu, die aus dem Inland stiegen leicht um 0,1 Prozent. Stärker gefragt waren vor allem Investitionsgüter. Hier gab es ein Plus von 1,7 Prozent. Die Hersteller von Vorleistungsgütern erhöhten ihr Auftragsvolumen um 0,7 Prozent, die von Konsumgütern um 1,1 Prozent.

"Am Tropf der Weltkonjunktur"

Experten sehen auf die Industrie schwierigere Zeiten zukommen. "Die Lage ist zwar nach wie vor gut, aber wir haben nicht mehr diese positive Dynamik wie im ersten Halbjahr", sagte Sebastian Wanke von der DekaBank. Gerd Hassel von der BHF-Bank sieht insbesondere die starke Abhängigkeit von Auslandskunden als problematisch an: "Wir hängen weiter am Tropf der Weltkonjunktur. Die binnenwirtschaftliche Nachfrage hat das Steuer noch nicht übernommen."

Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturindikator. Wegen Großaufträgen kann er allerdings von Monat zu Monat stark schwanken. Im stabileren Zwei-Monats-Vergleich Juli/August zu Mai/Juni ging die Nachfrage um 3,1 Prozent zurück. Im Juni hatte es wegen außergewöhnlich vieler Großaufträge für den Flugzeugbauer Airbus das stärkste Plus seit mehr als zwei Jahren gegeben. Airbus hatte sich auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget verbindliche Aufträge zum Listenpreis von 61 Milliarden Dollar gesichert. Das Unternehmen produziert an mehreren Standorten in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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