Strabag Peinliche Schlappe

Kurz vor ihrem Börsengang muss die österreichische Baugesellschaft Strabag SE bei ihrer größten deutschen Tochtergesellschaft eine empfindliche juristische Schlappe hinnehmen.

Hamburg - Nach Informationen von manager-magazin.de hat das Landgericht Köln heute zentrale Beschlüsse der letztjährigen Hauptversammlung der Strabag AG für unwirksam erklärt und damit einer Anfechtungsklage von Minderheitsaktionären stattgegeben. Die Klage wird unter dem Aktenzeichen 82 O 114/06 geführt.

Vor dem Landgericht Köln unterlag die Kölner Strabag AG jetzt in einer Auseinandersetzung mit ihren Minderheitsaktionären. In dem Urteil werden Konzernchef Hans Peter Haselsteiner indirekt gravierende Verstöße gegen das Aktienrecht bescheinigt. Der Richterspruch könnte deshalb das Vertrauen der umworbenen Anleger deutlich erschüttern.

Dem Urteil zufolge waren die Beschlüsse der Hauptversammlung 2006 rechtswidrig, weil die mittelbar über die Strabag SE beherrschenden Aktionäre der Strabag AG - das sind Konzernchef Haselsteiner, die österreichische Raiffeisenbank sowie die Versicherungsgruppe Uniqa und ihnen zuzurechnende Stiftungen - gegen zwingende kapitalmarktrechtliche Meldevorschriften verstoßen haben. Deshalb war die Strabag SE in der Hauptversammlung 2006 vom Stimmrecht ausgeschlossen.

Ein Urteil zur Unzeit

Das Urteil kommt für die Strabag zur Unzeit. Für Montag hat Haselsteiner rund 1000 Gäste in die Unternehmenszentrale auf der Wiener Donauinsel eingeladen, um den Auftakt für den Börsengang zu begehen. An diesen Tag beginnt die Zeichnungsfrist, am 19. Oktober soll die neue Strabag-Aktie dann erstmalig an der Wiener Börse notiert werden.

Insbesondere dürfte es Haselsteiner Probleme bereiten, dass die Bilanz der Tochtergesellschaft Strabag AG für das Jahr 2006 infolge des Beschlusses nun wohl unwirksam ist. Denn das Gericht hat nach Informationen von manager-magazin.de unter anderem die Wahl des Abschlussprüfers für nichtig erklärt. Außerdem wird eine Sonderprüfung angeordnet sowie die Vorbereitung eines Verschmelzungsvertrags zwischen der Strabag AG und der Züblin AG, einer weiteren Tochterfirma der Strabag SE. Die neue Rechtslage könnte die Bewertung der Muttergesellschaft Strabag SE durcheinanderbringen.

Die Anwälte der Strabag AG hatten im Frühjahr dieses Jahres nach der mündlichen Verhandlung versucht, durch einen Befangenheitsantrag den Vorsitzenden Richter Georg Lauber aus dem Verfahren zu drängen, nachdem er bereits die vorläufige Rechtsauffassung des Gerichts geäußert hatte, die nicht der der Strabag AG entsprach. Das Oberlandesgericht Köln lehnte diesen Antrag ab.

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